Aktionsprogramm zur Begabtenförderung der Hamburger Schulbehörde

Zwischen März 2013 und März 2014 haben sich die Hamburger Bürgerschaft und nachfolgend der Schulausschuss mit der Frage der schulischen Begabtenförderung beschäftigt. Während dieser Zeit haben die Mitglieder des Schulausschusses die aktuellen Förderkonzepte gesichtet, Expertinnen und Experten aus Hamburg und Deutschland zu Rate gezogen und in einer öffentlichen Sitzung auch Lehrkräfte sowie Eltern besonders begabter und hochbegabter Kinder angehört.
Am 25. März 2014 wurde mit der Verabschiedung eines überparteilichen Beschlusses die Diskussion vorerst abgeschlossen.

Begabtenförderung Schule Hamburg


Dabei wurde festgestellt, dass Hamburger Schulen bereits erfolgreich Modelle zur Förderung besonders begabter und hochbegabter Schülerinnen und Schüler umsetzen. Auch das Landesinstitut bietet ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot rund um die schulische Begabtenförderung an. Dennoch: Es besteht Handlungsbedarf

  • Die Expertinnen und Experten betonten positive Beispiele aus der Hamburger Schullandschaft und empfahlen eine intensivere Integration der bekannten Förderkonzepte zur Begabtenförderung in den schulischen Alltag.
  • Die Eltern beklagten eine geringe Handlungskompetenz einzelner Schulen in Bezug auf die gezielte Beratung und Förderung begabter Schülerinnen und Schüler und wünschten sich mehr qualifizierte Beratung vor Ort in den Schulen.
  • Die Lehrkräfte wiederum äußerten ihre Handlungsbereitschaft, bemängeln jedoch das geringe schulinterne Wissen und die unzureichende Zugänglichkeit von Fördermaterialien.

Der Aktionsplan Begabtenförderung der Hamburger Schulbehördenleitung soll die festgestellten Schwachstellen verbessern und die schulische Begabtenförderung an allen Schulformen verbessern.
Details dieses Plans wurden am 05. Februar 2014 durch eine Pressemeldung der Öffentlichkeit bekannt gegeben:
"Aufwind für Überflieger"

Aktuelles

Zertifizierung der Fachkräfte für Begabtenförderung

Die Fachkräfte für Begabtenförderung, die eine Zertifizierung anstreben, melden dies formlos bei Dr. Dagmar Wegner an. Für die Zertifizierung müssen folgende Leistungen erbracht werden:
1. Qualifizierungsnachweis der Grundlagenqualifizierung.
2. Nachweis über Fortbildungen im Umfang von mindestens 8 Zeitstunden. Die Fortbildungen müssen innerhalb von 12 Monaten absolviert werden. Die Fortbildungen sind frei wählbar; neben den ausgewiesenen Aufbaumodulen und Praxisbegleitgruppen können auch Fortbildungen anderer LI-Referate sowie Fachtagungen und Kongresse rund um das Thema der Begabtenförderung anerkannt werden.
3. Vorlage des schriftlichen Begabtenförderungskonzepts der eigenen Schule. Die FBF erhalten eine schriftliche Rückmeldung zum Konzept und die Möglichkeit, diese zu besprechen. Das Rückmeldegespräch kann auch in Kombination mit einem Schulbesuch erfolgen.
Das Zertifikat gilt für zwei Jahre und kann danach erneuert werden (gleiches Prozedere wie zuvor beschrieben). Für weitere Informationen und Anerkennungswünsche wenden Sie sich bitte an:
Dr. Dagmar Wegner, Tel.: 428 842 618, dagmar.wegner@li-hamburg.de

Das Aktionsprogramm beinhaltet folgende Neuerungen

 

1. Ab dem Schuljahr 2014/15 sollen alle weiterführende Schulen eine Ansprechpartnerin bzw. einen Ansprechpartner für Fragen der Begabtenförderung fest installieren und deren Zuständigkeit öffentlich kenntlich machen (die Fachkräfte für Begabtenförderung, FBF). Eine Vielzahl der weiterführenden Schulen hat bereits eine solche Person beauftragt. Die behördliche Anordnung hat zum Ziel, sowohl die Position der Begabtenförderung als auch der bereits aktiven Fachkräfte für Begabtenförderung an den Schulen zu stärken und deren Qualifizierung für diese Aufgabe zu vereinheitlichen. Deshalb bietet das LI ab dem Schuljahr 2014/15 diesen Fachkräften eine umfangreiche Qualifizierungsreihe an.

2. Für die Grundschulen gilt es zunächst die Erfahrungen der 17 Grundschulen, die in den Jahren 2010 bis 2012 an dem Modellprojekt Schmetterlinge teilgenommen haben, zu sammeln und auszuwerten. Dies wird durch die zuständigen Schulaufsichten in Begleitung von Kolleginnen und Kollegen aus dem Landesinstitut erfolgen. Ziel ist es aus den Erfahrungen zu lernen, gute und nachhaltige Begabtenförderung von Schmetterlingsschulen zu würdigen und weitere Entwicklungspotenziale aufzuzeigen. Auf Basis dieser Erkenntnisse gilt es dann Konzepte und Strategie für die Hamburger Grundschulen zu entwickeln. Denn viele Grundschulen stehen in den Startlöchern und wollen mehr für die Begabtenförderung tun. Für diese Schulen bietet das LI, einzelne Fortbildungen an, bspw. im Rahmen der kommenden Schulanfangstagung.


3. Insgesamt wird das Thema der Begabtenförderung stärker in die Lehrerausbildung bzw. in die Berufseingangsphase integriert. Im kommenden Ausbildungsjahr werden alle Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (innerhalb der Hauptseminare) und zu Beginn der Berufstätigkeit an den Schulen (im Rahmen der BEP-Seminare) grundlegend mit den spezifischen Fragen der Diagnostik und Förderung der begabten bzw. hochbegabten Schülerinnen und Schüler in Berührung kommen.


4. Die kooperative Zusammenarbeit zwischen den Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstellen (ReBBZ) und der Beratungsstelle besondere Begabungen (BbB) wird ausgebaut, um den Zugang zu Diagnostik und Beratung bei Lern- und Verhaltensschwierigkeiten der begabten Kinder und Jugendlichen transparenter und einfacher zu gestalten. Zusätzlich werden die ReBBZs eigene Handlungskompetenz auf dem Feld der Begabtenförderung durch eine Fortbildung aktualisieren.


5. Die Informationsmöglichkeiten für Lehrkräfte und Eltern werden verbessert: Für die Lehrkräfte wird das Landesinstitut, neben der bereits im Januar 2013 veröffentlichten Publikation „Grundlagen der schulischen Begabtenförderung“ weitere Informationen über die Materialien online zur Verfügung stellen und alle Schulen darüber in einem weiteren Flyer informieren. Für die Eltern wird ebenfalls ein Flyer über die Beratungs- und Förderangebote erstellt und allen Schulen zur Auslage zugeschickt.


6. In der BSB wird eine Ombudsstelle Besondere Begabungen eingerichtet, um Eltern in einem Konfliktfall, z.B. mit der Schule, beratend zur Seite zu stehen.

Weitere Informationen

Bundespolitik zur Begabtenförderung

Fragen?

 

Bei Fragen zum Aktionsprogramm Begabtenförderung wenden Sie sich an:
Jan Kwietniewski, BbB
Tel.: (040) 42 88 42-207
jan.kwietniewski@li-hamburg.de

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