FAQ zum Thema Inklusion

Hier finden Sie Fragen und Antworten zum Thema Inklusion 

FAQ zu Inklusion, Netzwerke, Landesinstitut für Lehrerbildung, Hamburg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die hier für Sie zusammengestellten Fragen und Antworten können nur einen Anhalt für Handlungsmöglichkeiten geben. Sie ersetzen im Einzelfall keinesfalls die Beratung mit den fachlich hierfür kompetenten Kolleginnen und Kollegen in den Ämtern und Instituten, speziellen Sonderschulen und Regionalen Bildungs- und Beratungszentren.

  1. Förderpläne
  2. Zuordnung des Förderschwerpunktes
  3. Zielgleich/zieldifferenter Unterricht
  4. Änderung des gewählten vorrangigen Förderschwerpunktes
  5. Lese-Rechtschreibschwäche
  6. Autismus
  7. Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
  8. Nachteilsausgleich
  9. Medikamentengabe
  10. Schulabschluss
  11. Zeugnisse
  12. Berufsvorbereitung
  13. Belegverpflichtung (Gymnasium)
  14. Notengebung (Gymnasium)


1.  Förderpläne

1.1  An einer Schule wird in den letzten Wochen im Jahrgang 5 ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen diagnostiziert. An wen in der BSB schickt die Schule nun den Förderplan?

Förderpläne für SuS mit den Förderschwerpunkten Lerne, Sprache oder emotionale und soziale Entwicklung werden nicht mehr der Behörde übersandt. Für diese SuS  erhält die Schule eine systemische Ressource; eine kindbezogene Zuweisung wird hierdurch nicht mehr ausgelöst. Fragen zu den Förderplänen können an das zuständige ReBBZ gerichtet werden.


2.   Zuordnung des Förderschwerpunktes

2.1      Welcher Förderbedarf ist bei einem Kind mit Tourette-Syndrom (gemäß IDC-10)  auszuweisen?

2.2      Welcher Förderbedarf ist bei einem Kind mit fetaler Alkoholspektrumstörung + Kokain/Nikotin/Heroin  auszuweisen?

Die Zuerkennung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs bzw. die Bewertung hinsichtlich des zutreffenden Förderschwerpunkts kann in der Regel nicht ausschließlich auf der Basis eines ICD-Wertes vorgenommen werden; vielmehr ist dazu eine Gesamteinschätzung des jeweiligen Kindes, seiner Beeinträchtigungen mit Blick auf die in Schule und Unterricht zu bewältigenden Anforderungen und seiner individuell vorhandenen Potentiale vorzunehmen. Soweit dies die in Ihrer Schule tätigen Sonderpädagoginnen/Sonderpädagogen nicht zu leisten vermögen, wenden Sie sich bitte mit der Bitte um fachliche Unterstützung an das für ihre Schule zuständige Regionale Bildungs- und Beratungszentrum bzw. an eine spezielle Sonderschule.


3.   Zielgleicher/zieldifferenter Unterricht      

3.1     Ist es möglich, SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarfen, die nicht als Förderschwerpunkte Lernen oder Geistige Entwicklung benannt sind, zieldifferent zu unterrichten?           

Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen ist § 14 Absatz 4 der Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (AO-SF). Dort heißt es:                                                                

„(4) Sofern bei einer Schülerin oder einem Schüler ein Förderbedarf in mehreren Förderschwerpunkten besteht, ist ein vorrangig zu gewichtender Förderschwerpunkt zu benennen. Liegt der vorrangige Förderschwerpunkt in den Bereichen Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, Sehen, Hören und Kommunikation, körperliche und motorische Entwicklung oder Autismus, so soll die schulische Förderung gemäß den Anforderungen der Bildungspläne Grundschule, Stadtteilschule oder Gymnasium erfolgen. Die zuständige Behörde kann eine zieldifferente Förderung, die gemäß den Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans erfolgt, aus wichtigen Gründen genehmigen.“

Die Regelung gilt  für SuS mit einem festgestellten sonderpädagogischem Förderbedarf,  bei dem grundsätzlich zielgleiche Unterrichtung angenommen wird. Sie gilt nicht für SuS, die keinen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Hier ist eine zieldifferente Unterrichtung grundsätzlich nicht möglich, auch nicht mit einer Genehmigung der Behörde, da es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt.

3.2      Werden SuS, die das Klassenziel nicht erreicht haben, die die Klasse nicht wiederholen und somit im nächsten Schuljahr durch Binnendifferenzierung im grundlegenden Stoff der vorherigen Stufe unterrichtet werden, als zieldifferent unterrichtet bezeichnet?          

Die in den Bildungsplänen niedergelegten Anforderungen sind i.d.R. nicht auf eine Klassenstufe bezogen, sondern auf bestimmte Abschnitte des jeweiligen Bildungsgangs. Für die Grundschule sind in den Rahmenplänen der Fächer recht allgemein gehaltene Beobachtungskriterien für das Ende der Jahrgangsstufen 1 und 2 sowie Regelanforderungen für das Ende der Jahrgangsstufe 4 ausgewiesen. Diese Regelanforderungen wiederum beziehen sich auf ein durchschnittliches mittleres Leistungsniveau; sie wären durch die jeweilige Schule mit Blick auf Schülerinnen und Schüler mit kognitiven Einschränkungen auf Mindestanforderungen herunterzubrechen. Für die Stadtteilschule sind im Bildungsplan jeweils Mindestanforderungen (und erhöhte Anforderungen) für das Ende der Jahrgangsstufe 6 und dann wieder Mindestanforderungen für den ersten allgemeinbildenden Abschluss definiert.  Eine zieldifferente Unterrichtung kommt grundsätzlich nur bei festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen oder GB in Frage, bei anderen Förderschwerpunkten nur mit Genehmigung der Behörde (s.o.).

Bei der Einschätzung „zielgleich-zieldifferent?“ ist demnach das Mindestziel des Bildungsganges in den Blick zu nehmen, nicht aber das schulindividuell definierte Ziel einer jeweiligen Klassenstufe. Zudem kommt… [siehe Kommentar]

3.3      Für SuS mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache ist die Gefahr groß, dass das Wort „zieldifferent“ im Regelschulbetrieb beim Übergang in die weiterführende Schule angekreuzt wird. Könnte dies dazu führen, dass die Leistungsanforderungen an diese SuS zurückgenommen werden und ihnen dadurch schon frühzeitig die Chance verbaut wird, einen allgemeinen Bildungsabschluss zu erlangen?

Grundsätzlich ja. Gemäß § 14 AO-SF wird bei Schülerinnen und Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache unterstellt, dass diese zielgleich unterrichtet werden (d.h. perspektivisch zumindest den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss erreichen) können. Dies kann durchaus einschließen, dass in einzelnen Fächern Bildungsziele später als von Durchschnitt der Klasse erreicht werden (auch an weiterführenden Schulen). Ggf. kann, wenn dies nach individueller Einschätzung als hilfreich angesehen wird, auch eine Genehmigung zur zieldifferenten Unterrichtung in einzelnen Fächern eingeholt werden (siehe hierzu § 14 Absatz 4 AO-SF). Dabei sollte eine Rückkehr zum zielgleichen Unterricht so bald als möglich angestrebt werden, um der Schülerin bzw. dem Schüler die Perspektive auf einen Schulabschluss zu erhalten. Umso näher der erste allgemeinbildende Schulabschluss heranrückt, desto stärker/größer ist die Verpflichtung zur Information der SuS sowie ihrer Sorgeberechtigten hinsichtlich ihrer tatsächlichen Chancen zum Erwerb des Abschlusses („faire Perspektive“). Da für einen Abschluss ohnehin in allen Fächern die Mindestanforderungen erfüllt werden müssen, ist der zielgleiche Unterricht rechtzeitig zu realisieren.  

3.4      Der Erwerb einer Fremdsprache ist für SuS mit einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung mit denselben Schwierigkeiten verbunden, wie sie beim Erlernen der Muttersprache und der Schriftsprache auftreten können. Folgerichtig sind sie sehr häufig mit dem Erlernen einer Fremdsprache überfordert. Sie profitieren nicht immer von dem frühzeitigen Unterricht, sondern können durch das andersartige Sprachsystem zusätzlich verunsichert oder verwirrt werden.

Bei einer Benotung im Fach Englisch müsste, am allgemeinen Maßstab gemessen, meistens die  Note 6 vergeben werden.

Wäre ein folgerichtiger Nachteilsausgleich die Befreiung vom Englischunterricht? Dadurch würden auch zusätzliche Lernkapazitäten frei, um den zusätzlichen Aufwand (sehr viel mehr Übungen sind zur Automatisierung notwendig) im Bereich Deutsch zu bewältigen.

Ist ein entsprechender Nachteilsausgleich möglich?  

Nein. Die vollständige Befreiung vom Erlernen einer Pflichtfremdsprache wird vom Instrument „Nachteilsausgleich“ nicht abgedeckt. Nachteilsausgleich bezieht sich regelhaft auf „angemessene Erleichterungen“ (siehe § 6 APO-GrundStGy) bei der Leistungserbringung. Ein regelhafter Verzicht auf Teilnahme einer Schülerin/eines Schülers am Unterricht bzw. an bestimmten Teilen/Fächern des Unterrichts kann nur in wenigen, besonderen Einzelfällen in Frage kommen (z.B. bei Schwangerschaft, bei Autismusspektrumsstörungen oder bestimmten Krankheitsfällen), nicht aber in dem hier skizzierten Fall. Hier wäre stattdessen das Spektrum ergänzender Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, um der Schülerin/dem Schüler das Erreichen der Mindestanforderungen im jeweiligen Fach zu ermöglichen.

3.5      Kann/darf ein Schüler/eine Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf „Lernen“ trotz der grundsätzlich zieldifferenten Unterrichtung im Rahmen des Programms „Fördern statt Wiederholen“ gemäß § 45 HmbSG gefördert werden?

Nein, es gilt § 1 Absatz 2 VO-BF: „Diese Verordnung gilt für alle Schülerinnen und Schüler, die nach den Anforderungen der Bildungspläne der Grundschule, der Stadtteilschule oder des Gymnasiums unterrichtet werden.“. SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten eine umfassende sonderpädagogische Förderung.

3.6      Ist eine zieldifferente Unterrichtung von „RegelschülerInnen“, die in einem einzelnen Fach so weit hinter den Anforderungen des Bildungsplanes zurück liegen, dass sie nur über völlig andere Angebote im Unterricht sinnvoll in ihrer Weiterentwicklung gefördert werden können, möglich?. Beispiel: Eine Fünftklässlerin, die maximal den Zahlenraum bis 100 überschaut.         

Diese SuS können gefördert werden, insb. auch mit Ressourcen aus dem Bereich „Fördern statt Wiederholen“ gemäß § 45 HmbSG oder mit BuT-Mitteln (sofern sie BuT-berechtigt sind), aber eine zieldifferente Unterrichtung (d.h. auch der Verzicht auf Benotung) ist bei diesen SuS nicht möglich.


4.   Änderung des gewählten vorrangigen Förderschwerpunktes

4.1      Ein Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache  wurde in die 5. Klasse einer STS eingeschult. Nach sehr kurzer Zeit hat sich herausgestellt, dass kein Förderbedarf im Bereich Sprache mehr vorlag. Dieses wurde mit den Eltern besprochen und die Förderung abgebrochen.

Gibt es einen Vordruck für solche Fälle oder schreibt man nur eine Aktennotiz an den Förderplan der Sprachheilschule?

Dieser Förderbedarf wird von der Schule selbst aufgehoben. Dies wird im Förderplan vermerkt und von den Sorgeberechtigten gegengezeichnet.

4.2    Ein Schüler in der Grundschule hat in der HSP einen PR von 15,  durch eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis wurde aber eine Legasthenie diagnostiziert. Kann man unter diesen Umständen von den Grundsätzen zur Leistungsbewertung abweichen, wenn die Unterrichtsergebnisse auch eher diesem Bild als dem Ergebnis der HSP entsprechen?

Grundsätzlich ist es so, dass für die Möglichkeit eines Abweichens von den Grundsätzen der Notengebung in Grundschulen die Vorgaben der „AUL-Richtlinie“ gelten, die ein solches Abweichen (hier: die Nichtbewertung von Teilleistungen) nur für den Fall vorsehen, dass die Testwerte unter einem Prozentrang von 5 liegen.

In diesem Fall sollte man sich mit dem zuständigen Regionalen Bildungs- und Beratungszentrum in Verbindung setzen und das Kind  dort noch einmal testen lassen. In den ReBBZ können auch andere Testinstrumente eingesetzt werden als in den einzelnen Schulen. Wenn auch das ReBBZ im Sinne der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis eine sehr schwache Lese-/Rechtschreibleistung diagnostiziert, könnte dies (gestützt auf das ärztliche und das ReBBZ-Gutachten) ein Abweichen von den allgemeinen Grundsätzen der Notengebung rechtfertigen.


5.  Lese-/Rechtschreibschwäche       

5.1    Richtlinie zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen, Ziff. 4.3: „Über die im Einzelfall durchzuführenden Maßnahmen entscheiden die in der Klasse unterrichtenden Lehrkräfte im Einvernehmen mit den Sorgeberechtigten der betroffenen Schülerinnen und Schüler.“ Worauf bezieht sich das demgemäß zu erzielende Einvernehmen – auch auf die im vorhergehenden Satz genannte Möglichkeit der Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung?

Das „Einvernehmen“ bezieht sich auf die „Maßnahmen“ gemäß Ziffer 4.1 der Richtlinie, nicht aber auf die „Abweichungen“ gemäß Ziffer 4.2 der Richtlinie.

5.2    Wie ist (auch im Rahmen des Nachteilsausgleichs) mit Schülerinnen und Schülern umzugehen, bei denen erst in höheren Jahrgängen eine schwere Lese-/Rechtschreibschwäche erkannt wird (die Diagnostik ist dann schwierig, Sprachförderung gibt es i.d.R. nur bis zum Ende der Sek I, an Gymnasien sind spezielle Sprachförderressourcen ohnehin knapp bis nicht vorhanden)?

Alle Schulformen haben die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass individuelle Schwächen ausgeglichen werden. Dies gilt unabhängig vom Vorhandensein von Sprachförderressourcen auch dann, wenn eine schwere Lese-/Rechtschreibschwäche ausnahmsweise erst in höheren Jahrgangsstufen erkannt wird. Zusätzlich zur Förderung erhält der Schüler/die Schülerin Nachteilsausgleich, z.B. durch die Möglichkeit, bei Klausuren einen Laptop mit Rechtschreibhilfe zu nutzen. Diagnostik soll soweit wie möglich durchgeführt werden; sofern die Schule dies nicht leisten kann, lässt sie sich unterstützen (z.B. durch ReBBZ).


6.  Autismus        

6.1    Förderschwerpunkt Autismus: Wie sind Klausuren im Semester zu gestalten, wenn das Thema (Deutsch, Oberstufe) „Lyrik“ lautet, der Schüler/die Schülerin aufgrund der spezifischen Einschränkungen aber geforderte Interpretationsleistungen nicht erbringen kann?

Ist dann davon auszugehen, dass die Vorgaben des Bildungsplans nicht mehr erfüllt werden? Die gleiche Frage gilt für Fächer, in denen (insb. in der Oberstufe) ähnliche Interpretationsleistungen gefordert werden können (z.B. Religion, Philosophie, evtl. auch Fremdsprachen).

Hier wäre zu prüfen, ob für ein ganzes Semester das Thema Lyrik im Deutschunterricht behandelt werden muss; ggf. wäre der Unterricht so zu gestalten, dass das Semester auch andere Themen umfasst, im Rahmen derer eine Leistungsfeststellung möglich ist. Zudem wäre über geeignete Ersatzleistungen nachzudenken. Siehe hierzu auch die Hinweise in Kap. 2.9.8 der Handreichung Nachteilsausgleich (Autismus – Sprachen).

6.2    Förderschwerpunkt Autismus: Wie ist damit umzugehen, wenn in der gyO Präsentationsleistungen gefordert werden (im Unterricht der Oberstufe, in der Abiturprüfung), der Schüler/die Schülerin sich aber nicht in der Lage sieht, solche Präsentationsleistungen zu erbringen?  Wäre eine Ersatzleistung möglich bzw. muss diese gefordert werden? Falls ja: Wie kann sie ausgestaltet werden?

Die Präsentationsleistung ist als einer Klausur gleichgestellte Leistung definiert. Sofern Schüler/-innen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht in der Lage sind, eine Präsentationsleistung zu erbringen, wird der geforderte Leistungsnachweis in Form einer Klausur erbracht.


7.  Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

7.1    Schülerinnen und Schüler, die z.B. durch Zuzug aus dem Ausland oder Migrationshintergrund auch in höheren Jahrgangsstufen sehr schwache Deutschkenntnisse aufweisen: Wie ist damit umzugehen? Nachteilsausgleich ist für diese SuS nicht vorgesehen (d.h. dann z.B. keine zusätzlichen Hilfsmittel bei Klausuren).

Unterstützung im Unterricht ist grundsätzlich kein Problem, da diese Unterstützung im Unterricht auch als Form der Individualisierung laufen kann. Erleichterungen können auch im Rahmen der Sprachförderung gewährt werden. Die Frage einer angemessenen Erleichterung sollte von der Aufenthaltsdauer in Deutschland bzw. der Dauer des Schulbesuchs in Deutschland abhängig gemacht werden. In Hinblick auf die Dauer kann der in § 23 Absatz 1 APO-GrundStGy genannte Zeitraum analog herangezogen werden: Nach drei Schulbesuchsjahren müssen die Erleichterungen vollständig abgebaut sein.


8.  Nachteilsausgleich  

8.1    Sind Lehrkräfte dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ein Schüler/eine Schülerin einen gewährten Nachteilsausgleich auch tatsächlich wahrnimmt?         

Nein. Nachteilsausgleich wird gewährt und gegenüber dem Schüler/der Schülerin pädagogisch begründet. Dass dieser in vollem Umfang wahrgenommen wird, kann nicht erzwungen werden.


9.  Medikamentengabe 

9.1    Was ist bei Medikamentenvergaben in der Schule zu berücksichtigen?

Zu Fragen im Zusammenhang mit Medikamentenvergaben an Schulen ist folgende Handreichung zu beachten:  

Medikamentenvergabe. Handreichung für die Medikamentenvergabe an Schülerinnen und Schüler in der der Schule (Behörde für Schule und Berufsbildung, 2013)

http://www.hamburg.de/contentblob/4089990/data/medikamente.pdf

Schulleitungen können darüber hinaus rechtssichere Auskünfte in der Rechtsabteilung (Amt für Verwaltung, V 3) oder in der Personalabteilung (V 4) erhalten.


10. Schulabschluss

10.1 Gibt es Vorgaben, wie SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen auf einen möglichen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss vorbereitet werden müssen/können?

Nein, rechtliche Vorgaben gibt es nicht. Hinweise zur inhaltlichen Vorbereitung gibt das zuständige ReBBZ. Zu Vorbereitungsklassen in Stadtteilschulen, die diese Zielgruppe ansprechen, kann ReBBZ-übergreifend Herr Roik, Gesamtleitung ReBBZ Nord, Auskunft geben.

10.2 Muss ein sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich Lernen vorher aufgehoben werden, damit SuS mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen zur ESA-Prüfung zugelassen werden können?

Voraussetzung für das Erreichen eines ESA ist die zielgleiche Unterrichtung der Schülerin oder des Schülers im letzten Schuljahr vor Teilnahme an der Abschlussprüfung. Dies ergibt sich daraus, dass der ESA gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 2 APO-GrundStGy einen bestimmter Notendurchschnitt im Jahreszeugnis erfordert. Die Noten beziehen sich auf das ganze Schuljahr und erfüllen nur dann die Anforderungen der Bildungspläne zur Erreichung des ESA, wenn sie auf zielgleicher Bewertung beruhen. Daraus folgt, dass auch bei Schülerinnen und Schülern der ReBBZ mit sonderpädagogischen Förderbedarf Lernen im letzten Jahr vor der Abschlussprüfung eine zielgleiche Unterrichtung erfolgen muss. Die zielgleiche Unterrichtung muss im Förderplan zu Anfang des Schuljahres, in dem der Abschluss erreicht werden soll, ausdrücklich festgelegt werden. Für das Zeugnis sind die entsprechenden Vordrucke zu verwenden. Der Übergang von der zieldifferenten in die zielgleiche Beschulung setzt nicht die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs Lernen voraus. Vielmehr kann der Förderbedarf Lernen auch bei zielgleicher Unterrichtung fortbestehen und durch sonstige (d.h. nicht die Zieldifferenz betreffende) sonderpädagogischen Maßnahmen berücksichtigt werden. Durch Beibehaltung des sonderpädagogischen Förderbedarfs Lernen ist der Verbleib der Schülerinnen und Schüler an dem jeweiligen ReBBZ gesichert, es besteht ein begründetes Schulverhältnis.

Ebenso kann der Sonderpädagogische Förderbedarf Lernen bei Aufhebung der zieldifferenten Beschulung zur Erlangung des ESA für Schülerinnen und Schüler in den allgemeinen Schulen beibehalten werden. Diese Aussage gilt analog zur Vorgehensweise innerhalb der ReBBZ. Es ist also möglich, dass der sonderpädagogische Förderbedarf Lernen aufrecht erhalten bleibt, obwohl die Schülerin oder der Schüler schon nach den Bildungsplänen zur Erreichung des ESA unterrichtet wird. Wenn der sonderpädagogische Förderbedarf im Bereich Lernen faktisch noch besteht, also in diesem Bereich noch eine gezielte Förderung nötig ist, kann diesem Bedarf durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel Nachteilsausgleich über § 20 AO-SF Rechnung getragen werden. Der Nachteilsausgleich muss zum Ausgleich der Behinderung erforderlich sein und die fachlichen Anforderungen unberührt lassen.

10.3 Welches Zeugnis erhalten SuS, die keine ESA-Prüfung ablegen können, weil sie es inhaltlich nicht schaffen?

Das kommt darauf an, ob sie noch schulpflichtig sind. Sind sie es, gilt § 22 AO-SF, sind sie es nicht mehr, gilt § 23 Absatz 2 AO-SF.

Evtl. kann mithilfe eines Kompetenzrasters bescheinigt werden, welche Leistungen der Schüler/die Schülerin erbracht hat und inwieweit ggf. diese Leistung jeweils an die Bedingungen für an den ESA heranreicht. Dies ist aber rechtlich nicht bindend.

10.4    Ist es möglich, Vorbereitungsklassen ähnlich den früheren V-Klassen an Förderschulen und Hauptschulen zu installieren?

Es ist möglich, zeitlich begrenzt gesonderte Lerngruppen einzurichten, siehe dazu § 12 Absatz 1 Satz 3 HmbSG.

10.5 Gibt es für Vorbereitungsklassen (ähnlich den früheren V-Klassen an Förderschulen und Hauptschulen)  Ressourcen? 

Eine spezielle „V-Klassen-Ressource“ gibt es nicht, hierfür muss die sonderpädagogische Ressource genutzt werden. (Zu Vorbereitungsklassen siehe auch die F + A oben).


11. Zeugnisse

11.1 Können die Zeugnisformulare der allgemeinen Schulen auch für SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf verwendet werden?

Grundsätzlich ja; ein spezieller Zeugnisvordruck „So“ ist i.d.R. nicht erforderlich. Bei zielgleich unterrichteten SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind die Leistungen unabhängig vom Beschulungsort in der Weise nachzuweisen, wie dies durch die APO-GrundStGy vorgegeben wird. Für die Zeugnisse für SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen allgemeinbildenden Schulen (Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien sowie Schulen der ReBBZ-Bildungsbereiche, spezielle Sonderschulen, überregionale Bildungszentren) gilt aber ergänzend die Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (AO-SF) vom 31.10.2012. Daher müssen die Zeugnisformulare für SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Fußnote einen Verweis sowohl auf die APO-GrundStGy als auch auf die AO-SF enthalten.

Der ergänzte Verweis auf APO und AO hat folgenden Wortlaut:

  • Das Zeugnis wurde aufgrund der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Grundschule und die Jahrgangsstufen 5 bis 10 der Stadtteilschule und des Gymnasiums (APO-GrundStGy) vom 22. Juli 2011 in der derzeit geltenden Fassung in Verbindung mit der Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf vom 31. Oktober 2012 (AO-SF) in der derzeit geltenden Fassung (zu finden unter www.schulrecht.hamburg.de) erstellt.

Die, hier kursiv gesetzte, ergänzende Einfügung zur AO-SF ist durch die Schulen selbst vorzunehmen.

11.2 Welche Zeugnisse sind für zieldifferent unterrichtete SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf auszustellen?

Mit Blick auf die Zeugnisse für zieldifferent unterrichtete SuS gilt § 22 AO-SF. Demnach ist in allen Jahrgängen die Ausstellung eines Berichtszeugnisses möglich (§ 22 Abs. 1 AO-SF). 

In den Zeugnisvordruck ist folgender Hinweis aufzunehmen:

  • "Die Angaben zum Leistungsstand beziehen sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der APO-GrundStGy nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne, sondern gemäß § 22 Absatz 3 der AO-SF auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans."

Zugleich ist es auf Wunsch der Sorgeberechtigten aber auch möglich, ein Notenzeugnis oder ein kombiniertes Zeugnis mit Noten und Berichtsteil auszustellen: Hierzu heißt es in § 22 Abs. 3 AO-SF:

  • „Verlangen die Sorgeberechtigten gemäß §44 HmbSG ergänzend oder alternativ zum Lernentwicklungsbericht die Ausweisung des Leistungsstands in Noten, so beziehen sich diese auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans. Der individuelle Rahmen, auf den die Noten oder Punkte Bezug nehmen, ist im Zeugnis kenntlich zu machen. Die Sorgeberechtigten sind im Vorfeld darüber aufzuklären, dass die erteilten Noten oder Punkte sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Grundschule und die Jahrgangsstufen 5 bis 10 der Stadtteilschule und des Gymnasiums (APO-GrundStGy) vom 22. Juli 2011 (HmbGVBl. S. 325) in der jeweils geltenden Fassung nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne beziehen. Den Sorgeberechtigten ist ebenso zu erläutern, dass die erteilten Noten nicht zu einer Übergangsberechtigung nach den §§ 13, 31 und 32 APO-GrundStGy und nicht zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss, mittleren Schulabschluss und zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife führen.“

Liegt ein solcher Wunsch der Sorgeberechtigten einer zieldifferent unterrichteten Schülerin oder eines zieldifferent unterrichteten Schülers mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor, sind die Zeugnisse der jeweiligen Jahrgangsstufe zu verwenden. Verlangen die Sorgeberechtigten sowohl einen Bericht als auch ein Notenzeugnis, kann der Zeugnisvordruck ggf. um einen Lernentwicklungsbericht als Anlage ergänzt werden.

In den Zeugnisvordruck ist ein Hinweis mit folgendem Wortlaut aufzunehmen:

  • Die Noten beziehen sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der APO-GrundStGy nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne, sondern gemäß § 22 Absatz 3 der AO-SF auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans. Die erteilten Noten führen nicht zu einer Übergangsberechtigung nach den §§ 13, 31 und 32 APO-GrundStGy und nicht zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss, mittleren Schulabschluss und zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife.

In den an Grundschulen erteilten Zeugnissen ist der zweite Satz („Die erteilten Noten…“) nicht erforderlich. Ein auf diese Regelungen bezogenes Hinweisblatt findet sich auch auf der BSB-Website im Bereich der Zeugnisvordrucke.

11.3 Muss das Zeugnisformular einen Eintrag „Die Schülerin/der Schüler hat sonderpädagogischen Förderbedarf“ sowie ggf. die Nennung des Förderschwerpunkts enthalten?        

Bei zielgleich unterrichteten SuS ist dies nicht zwingend erforderlich. Bei zieldifferent unterrichteten SuS soll die Tatsache, dass sie/er sonderpädagogischen Förderbedarf hat und zieldifferent unterrichtet wird, jedoch aus dem Bericht klar hervorgehen. Sofern die Sorgeberechtigten für zieldifferent unterrichtete Schülerinnen/Schüler ein Notenzeugnis verlangen, ist der Zusatz gemäß § 22 Absatz 3 AO-SF zwingend.

11.4 Wie ist bei SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit dem Nachweis der überfachlichen Kompetenzen (Kompetenzraster) umzugehen?          

Überfachliche Kompetenzen als Element der Zeugnisse werden (nur) bis einschließlich Jahrgang 8 nachgewiesen. Grundsätzlich gilt: Zielgleich unterrichtete SuS erhalten das gleiche Zeugnis wie SuS ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, entsprechend sind, soweit gefordert, auch die überfachlichen Kompetenzen nachzuweisen. Sofern bei einer Schülerinnen / einem Schüler aufgrund der Spezifika des sonderpädagogischen Förderschwerpunkts (z.B. Autismus) überfachliche Kompetenzen nicht in gleicher Weise beurteilbar sind wie bei SuS ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, gelten zunächst die Hinweise zum Nachteilsausgleich, d.h. die Schülerin/der Schüler erhält Erleichterungen und Unterstützung bzw. alternative Aufgabenformate so, dass ihr/ihm ermöglicht wird, die geforderten Kompetenzen auf geeignete Weise nachzuweisen. Die behinderungsbedingten Nachteile der Schülerinnen und Schüler sind durch pädagogisch sinnvolle Maßnahmen soweit wie möglich zu kompensieren.

Sollte in besonderen Einzelfällen eine ansonsten zielgleich unterrichtete Schülerin bzw. ein zielgleich unterrichteter Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor dem Hintergrund der Spezifika ihrer/seiner Beeinträchtigungen/Behinderungen auch unter Nutzung des Nachteilsausgleichs altersgemäß erwartbare bzw. geforderte überfachliche Kompetenzen nicht nachweisen können, ist die Dokumentation der überfachlichen Kompetenzen gemäß der individuellen Lernfortschritte vorzunehmen; hierauf ist in den Anmerkungen zu den überfachlichen Kompetenzen hinzuweisen. Davon unbeschadet gilt: Kann eine Schülerin/ein Schüler aufgrund einer spezifischen Beeinträchtigung (z.B. körperlicher Art) eine gemäß Bildungsplan bzw. APO geforderte Leistung objektiv nicht erbringen (z.B. im Sport) und es ist ihr/ihm auch nicht möglich, eine Ersatzleistung zu erbringen, kann im Zeugnis „n.b.“ eingetragen werden. Wo immer möglich sind aber Ersatzleistungen vorzusehen bzw. mithilfe der Nachteilsausgleichsregelungen zu ermöglichen.


12.  Berufsvorbereitung

12.1 Gibt es (rechtliche/sonstige) Vorgaben für SuS mit Förderbedarf Lernen mit Blick auf die Berufsvorbereitung?

Rechtliche Vorgaben gibt es nicht, weitergehende Fragen dazu beantwortet das Fachamt.

Hinzuweisen ist auf die Initiative Inklusion des BMAS. Projektträger in Hamburg ist das Netzwerk B.O. (Leitung: Frau Klüssendorf kluessendorf@nbo-hamburg.de). In dem Projekt werden Jugendliche individuell und fachlich begleitet. Bei Fragen zu AVdual steht Herr Hartmut Sturm (HIBB) als Ansprechpartner zur Verfügung (hartmut.sturm@hibb.hamburg.de).

12.2. Ausbildungsvorbereitung "dual & inklusiv"

Die zentrale Maßnahme des reformierten Übergangsbereichs ist die dualisierte Ausbildungsvorbereitung (AV). Sie ist individuell gestaltbar, bezieht Betriebe als Lernorte ein und garantiert eine verlässliche Begleitung der Jugendlichen. Die 2011 im Projekt erprobte AV ist seit dem Schuljahr 2013/14 zum Regelsystem in der Berufsvorbereitungs- schule geworden. Schulpflichtige Jugendliche, die noch nicht beruflich orientiert sind, sollen dazu befähigt werden, einen ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Ausbildungsplatz bzw. Anschluss zu finden. An drei Tagen in der Woche lernen sie in Betrieben im Rahmen eines Praktikums und werden durch eine Mentorin oder einen Mentor begleitet.

Der Eintritt und die Verweildauer in der Ausbildungsvorbereitung sind unterschiedlich und es wird nach individualisierten Lehr- und Lernkonzepten gearbeitet.

Ab Schuljahr 2014/15 werden in acht der 21 beruflichen Schulen mit AV-Angeboten auch Plätze für berufsschulpflichtige Jugendliche mit und ohne Behinderungen angeboten. In dieses inklusive Bildungsangebot werden junge Menschen mit speziellem sonderpädagogischen Förderbedarf aufgenommen (Förderschwerpunkte Körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sehen, Hören und Kommunikation, Autismus).

 

  • Für die SuS von Stadtteilschulen ist diese Ausbildungsvorbereitung nach der Klasse 10 gedacht, für SuS der ReBBZ nach Klasse 9.
  • Für SuS der Klasse 10 besteht auch die Möglichkeit, ein Langzeitpraktikum zu absolvieren.
  • Die Anmeldung erfolgt zentral über die Jugendberufsagentur Hamburg (JBA). Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler mit spezifischem sonderpädagogischem Förderbedarf ist Herr Frank Rogal  (frank.rogal@hibb.hamburg.de)

 

13.  Belegverpflichtung (Gymnasium)

13.1 Förderschwerpunkt Autismus: Im Rahmen des Nachteilsausgleichs ist es möglich, Schülerinnen und Schüler mit schwerem Autismus stunden- bzw. phasenweise von der Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht zu entbinden: Kann dann die Belegverpflichtung noch erfüllt werden?

Ja, grundsätzlich ist dies möglich. Ähnlich verhält es sich bei länger erkrankten Schülerinnen und Schülern; auch hier kann nicht der gesamte durch Krankheit versäumte Unterricht nachgeholt werden. Zu prüfen ist aber, ob dennoch auf den Unterricht bezogene Leistungen gefordert werden können (z.B. Hausaufgaben, sonstige Aufgaben, Teilnahme an Klassenarbeiten etc.).

13.2 Die gleiche Frage gilt für dauerhaft vom Sportunterricht befreite Schülerinnen und Schüler: Wird dann die Belegverpflichtung noch im geforderten Umfang erfüllt?

Muss eine Ersatzleistung verlangt werden? Wie kann sie aussehen (z.B. Befassung mit Sporttheorie, Sportmedizin, Regelwerken etc.)?

Ja, auch in diesem Fall kann die Belegverpflichtung noch erfüllt werden. Zu prüfen ist stets die Möglichkeit geeigneter Ersatzleistungen (s.o. Ausarbeitungen zu Sporttheorie etc.)


14.  Notengebung (Gymnasium)         

14.1   § 10 Absatz 2 APO-AH: Bei erheblichen Mängeln in der sprachlichen Richtigkeit „sind (…) bis zu zwei Punkte in der einfachen Wertung abzuziehen (…)“ – Bedeutet die Formulierung „sind (…) abzuziehen“, dass mindestens ein Punkt abzuziehen ist, oder kann auch auf einen Notenabzug ganz verzichtet werden?

Mindestens ist ein Punkt, maximal sind zwei Punkte in einfacher Wertung abzuziehen. Diese Regelung orientiert sich an § 6 Absatz 2 der KMK-Vereinbarung über die Abiturprüfung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II: „Bei der Korrektur und Bewertung [der schriftlichen Prüfungsarbeiten] führen schwerwiegende und gehäufte Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit oder gegen die äußere Form zu einem Abzug von einem oder zwei Punkten in einfacher Wertung.“

14.2   Gilt die Regelung zum Notenabzug bei erheblichen Mängeln in der sprachlichen Richtigkeit nur bei diagnostizierter Lese/Rechtschreibschwäche (LRS, Legasthenie gem. ICD 10) oder allgemein? 

Die Regelung gilt allgemein für SuS mit und ohne diagnostizierte Lese / Rechtschreibschwäche.