FAQs zum Thema Inklusion

FAQs zum Thema Inklusion, Netzwerk inklusiver Schulen, LI Hamburg

Grundschule

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die hier für Sie zusammengestellten Fragen und Antworten aus der Arbeit des Netzwerks inklusiver Schulen können nur einen Anhalt für Handlungsmöglichkeiten geben.
Sie ersetzen im Einzelfall keinesfalls die Beratung mit den fachlich hierfür kompetenten Kolleg/innen in den Ämtern und Instituten, speziellen Sonderschulen und Regionalen Bildungs- und Beratungszentren.

Änderung des gewählten vorrangigen Förderschwerpunktes

Frage: Ein Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache wurde in die 5. Klasse einer STS eingeschult. Nach sehr kurzer Zeit hat sich herausgestellt, dass kein Förderbedarf im Bereich Sprache mehr vorlag. Dieses wurde mit den Eltern besprochen und die Förderung abgebrochen. Gibt es einen Vordruck für solche Fälle oder schreibt man nur eine Aktennotiz an den Förderplan der Sprachheilschule?
Antwort: Dieser Förderbedarf wird von der Schule selbst aufgehoben. Dies wird im Förderplan vermerkt und von den Sorgeberechtigten gegengezeichnet.

Frage: Ein Schüler in der Grundschule hat in der HSP einen PR von 15,  durch eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis wurde aber eine Legasthenie diagnostiziert. Kann man unter diesen Umständen von den Grundsätzen zur Leistungsbewertung abweichen, wenn die Unterrichtsergebnisse auch eher diesem Bild als dem Ergebnis der HSP entsprechen?
Antwort: Grundsätzlich ist es so, dass für die Möglichkeit eines Abweichens von den Grundsätzen der Notengebung in Grundschulen die Vorgaben der „AUL-Richtlinie“ gelten, die ein solches Abweichen (hier: die Nichtbewertung von Teilleistungen) nur für den Fall vorsehen, dass die Testwerte unter einem Prozentrang von 5 liegen.
In diesem Fall sollte man sich mit dem zuständigen Regionalen Bildungs- und Beratungszentrum in Verbindung setzen und das Kind  dort noch einmal testen lassen. In den ReBBZ können auch andere Testinstrumente eingesetzt werden als in den einzelnen Schulen. Wenn auch das ReBBZ im Sinne der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis eine sehr schwache Lese-/Rechtschreibleistung diagnostiziert, könnte dies (gestützt auf das ärztliche und das ReBBZ-Gutachten) ein Abweichen von den allgemeinen Grundsätzen der Notengebung rechtfertigen.

Autismus

Frage: Förderschwerpunkt Autismus: Wie sind Klausuren im Semester zu gestalten, wenn das Thema „Lyrik“ (Deutsch, Oberstufe) lautet, der Schüler/die Schülerin aufgrund der spezifischen Einschränkungen aber geforderte Interpretationsleistungen nicht erbringen kann?
Ist dann davon auszugehen, dass die Vorgaben des Bildungsplans nicht mehr erfüllt werden? Die gleiche Frage gilt für Fächer, in denen (insb. in der Oberstufe) ähnliche Interpretationsleistungen gefordert werden können (z.B. Religion, Philosophie, evtl. auch Fremdsprachen).
Antwort: Hier wäre zu prüfen, ob für ein ganzes Semester das Thema Lyrik im Deutschunterricht behandelt werden muss; ggf. wäre der Unterricht so zu gestalten, dass das Semester auch andere Themen umfasst, im Rahmen derer eine Leistungsfeststellung möglich ist. Zudem wäre über geeignete Ersatzleistungen nachzudenken. Siehe hierzu auch die Hinweise in Kap. 2.9.8 der Handreichung Nachteilsausgleich (Autismus – Sprachen).

Frage: Förderschwerpunkt Autismus: Wie ist damit umzugehen, wenn in der gyO Präsentationsleistungen gefordert werden (im Unterricht der Oberstufe, in der Abiturprüfung), der Schüler/die Schülerin sich aber nicht in der Lage sieht, solche Präsentationsleistungen zu erbringen?  Wäre eine Ersatzleistung möglich bzw. muss diese gefordert werden? Falls ja: Wie kann sie ausgestaltet werden?
Antwort: Die Präsentationsleistung ist als einer Klausur gleichgestellte Leistung definiert. Sofern Schüler/-innen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht in der Lage sind, eine Präsentationsleistung zu erbringen, wird der geforderte Leistungsnachweis in Form einer Klausur erbracht.

Belegverpflichtung Gymnasium

Frage: Förderschwerpunkt Autismus: Im Rahmen des Nachteilsausgleichs ist es möglich, Schüler/innen mit Autismus-Spektrum-Störung stunden- bzw. phasenweise von der Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht zu entbinden: Kann dann die Belegverpflichtung noch erfüllt werden?
Antwort: Ja, grundsätzlich ist dies möglich. Ähnlich verhält es sich bei länger erkrankten Schülerinnen und Schülern; auch hier kann nicht der gesamte durch Krankheit versäumte Unterricht nachgeholt werden. Zu prüfen ist aber, ob dennoch auf den Unterricht bezogene Leistungen gefordert werden können (z.B. Hausaufgaben, sonstige Aufgaben, Teilnahme an Klassenarbeiten etc.).

Frage: Die gleiche Frage gilt für dauerhaft vom Sportunterricht befreite Schüler/innen: Wird dann die Belegverpflichtung noch im geforderten Umfang erfüllt? Muss eine Ersatzleistung verlangt werden? Wie kann sie aussehen (z.B. Befassung mit Sporttheorie, Sportmedizin, Regelwerken etc.)?
Antwort: Ja, auch in diesem Fall kann die Belegverpflichtung noch erfüllt werden. Zu prüfen ist stets die Möglichkeit geeigneter Ersatzleistungen (s.o. Ausarbeitungen zu Sporttheorie etc.).

Berufsvorbereitung

Frage: Gibt es (rechtliche/sonstige) Vorgaben für Schüler/innen mit Förderbedarf Lernen mit Blick auf die Berufsvorbereitung?
Antwort: Rechtliche Vorgaben gibt es nicht, weitergehende Fragen dazu beantwortet das Fachamt.
Hinzuweisen ist auf die Initiative Inklusion des BMAS. Projektträger in Hamburg ist das Netzwerk B.O. (Leitung: Frau Klüssendorf kluessendorf@nbo-hamburg.de). In dem Projekt werden Jugendliche individuell und fachlich begleitet. Bei Fragen zu AVdual steht Herr Hartmut Sturm (HIBB) als Ansprechpartner zur Verfügung (hartmut.sturm@hibb.hamburg.de).
Ausbildungsvorbereitung „dual & inklusiv“
Die zentrale Maßnahme des reformierten Übergangsbereichs ist die dualisierte Ausbildungsvorbereitung (AV). Sie ist individuell gestaltbar, bezieht Betriebe als Lernorte ein und garantiert eine verlässliche Begleitung der Jugendlichen. Die 2011 im Projekt erprobte AV ist seit dem Schuljahr 2013/14 zum Regelsystem in der Berufsvorbereitungs- schule geworden. Schulpflichtige Jugendliche, die noch nicht beruflich orientiert sind, sollen dazu befähigt werden, einen ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Ausbildungsplatz bzw. Anschluss zu finden. An drei Tagen in der Woche lernen sie in Betrieben im Rahmen eines Praktikums und werden durch eine Mentorin oder einen Mentor begleitet.
Der Eintritt und die Verweildauer in der Ausbildungsvorbereitung sind unterschiedlich und es wird nach individualisierten Lehr- und Lernkonzepten gearbeitet.
Ab Schuljahr 2014/15 werden in acht der 21 beruflichen Schulen mit AV-Angeboten auch Plätze für berufsschulpflichtige Jugendliche mit und ohne Behinderungen angeboten. In dieses inklusive Bildungsangebot werden junge Menschen mit speziellem sonderpädagogischen Förderbedarf aufgenommen (Förderschwerpunkte Körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sehen, Hören und Kommunikation, Autismus).

  • Für die Schüler/innen von Stadtteilschulen ist diese Ausbildungsvorbereitung nach der Klasse 10 gedacht, für Schüler/innen der ReBBZ nach Klasse 9.
  • Für Schüler/innen der Klasse 10 besteht auch die Möglichkeit, ein Langzeitpraktikum zu absolvieren.
  • Die Anmeldung erfolgt zentral über die Jugendberufsagentur Hamburg (JBA). Ansprechpartner für Schüler/innen mit spezifischem sonderpädagogischem Förderbedarf ist Herr Frank Rogal  (frank.rogal@hibb.hamburg.de).

#content=Diagnostikverfahren (zweistufig)

Diagnostikverfahren (zweistufig)

Frage: Was mache ich bei einem Wechsel einer/eines Schülerin/Schülers in Klasse 6 aus der STS an ein ReBBZ?
Antwort: Bei einem Schulformwechsel ist das zweistufige Verfahren anzuwenden; es entspricht dem bisherigen sonderpädagogischen Gutachten. Bei einem Wechsel aus dem ReBBZ an eine allgemeine Schule ist nur eine abgestimmte Schulplatzsuche erforderlich, die Schülerin oder der Schüler ist ja bereits im Besitz eines sonderpädagogischen Gutachtens.

Frage: Tragen wir die Ergebnisse der Diagnostik in den Jahrgängen 1 bis 3 weiterhin in DiViS ein?
Antwort: Ja. Die Schüler werden mit den von der Grundschule festgestellten Bedarfen erfasst. Allerdings sind diese Eingaben nicht ressourcenauslösend. 

Frage: Wann nehmen wir die Eintragungen in DiViS in Klasse 4 vor?
Antwort: Wenn das zweistufige Verfahren durch das ReBBZ abgeschlossen ist und die Schule einen Bescheid über den Förderbedarf erhalten hat.

Frage: Was machen wir, wenn ein/e Schüler/in einen festgestellten Förderbedarf LSE hatte und dieser in Klasse 4 nicht mehr besteht?
Antwort: Sie vermerken im diagnosegestützten Förderplan, dass der Förderbedarf nicht mehr besteht und informieren die Eltern über diese Veränderung in der Förderplankonferenz. Dort wird auch besprochen und festgehalten, welcher weitere pädagogische Unterstützungsbedarf, Nachteilsausgleich etc. besteht.

Frage: Wie gehe ich vor, wenn in Klasse 5 bei einer/einem Schüler/in ein Förderbedarf vermutet wird?
Antwort: Sie führen als Schule alleine die prozessbegleitende Diagnostik durch (Starkstellung der schulischen Diagnostik), erstellen einen Förderplan und lassen diesen von den Eltern unterschreiben (~ Vertrag). Unterschreiben die Eltern den Förderplan nicht, wenden Sie sich ans ReBBZ. Das Ergebnis des daraufhin erfolgenden zweistufigen Verfahrens ist die Erstellung eines Bescheides, gegen den die Eltern dann ggf. Widerspruch einlegen können.

Frage: Wo finde ich die Anlagen zum Klärungsbogen?
Antwort: Die Anlagen sind in den neuen Klärungsbogen eingearbeitet.

Frage: Haben Schüler/innen, die zieldifferent unterrichtet werden, einen Anspruch auf AUL?
Antwort: AUL wird nicht gewährt, wenn die Testergebnisse unter den geforderten Mindestprozenträngen liegen.

Frage: Kann bei einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf Sprachförderung gewährt werden?
Antwort: Ja, zusätzliche Sprachförderung an allgemeinen Schulen kann nach § 28a HmbSG für alle Kinder und Jugendlichen mit einem ausgeprägten allgemeinen Sprachförderbedarf erfolgen. Bei Schülerinnen/Schülern mit Förderbedarf in unterschiedlichen Bereichen sind die Fördermaßnahmen im Sinne einer integrierten Förderplanung aufeinander abzustimmen (s. Handreichung Inklusive Bildung und sonderpädagogische Förderung, 4. Baustein: Integriertes Förderkonzept).

Frage: Wie sieht die Übergangsbegleitung von abgebenden Schulen aus? Wenn Schüler/innen aus einem ReBBZ oder aus einem Gymnasium an die Stadtteilschule kommen, werden die Akten häufig erst dann zur Verfügung gestellt, wenn die Schüler/innen bereit da sind. Die aufnehmenden Schulen haben keine Informationen über bestehende oder vermutete Förderbedarfe. Um die Schüler/innen Klassen zuweisen zu können, sind die aufnehmenden Schulen hier besonders auf eine enge Übergangsbegleitung durch die abgebenden Schulen angewiesen.
Antwort: Idealer Weise gibt es bereits eine unterjährige Begleitung durch die abgebende Schule, die insbesondere auch die Eltern mit einbezieht. Diese Thematik sollte auf den Bezirkskonferenzen angesprochen werden.

Frage: Bringen die Schüler/innen mit speziellen sonderpädagogischen Förderbedarfen automatisch die Ressource mit?
Antwort: Auskunft hierzu kann Frau Cludaß (V221-4) schulbezogen erteilen. Schulen können sich dazu an Frau van den Berg wenden, die eine Liste alle Kinder und Jugendlichen mit speziellen Förderbedarfen führt und im Zweifel Rücksprache mit Frau Cludaß hält.

Frage: Erhalten die Schüler/nnen mit Förderbedarf L, S oder E in Jahrgang 6 auch die erhöhte systemische Ressource?
Antwort: Nein. Im Schuljahr 2015/16 werden nach der neuen Berechnungsgrundlage (KESS-Faktor + prozentualer Anteil der Schüler/innen mit den Förderbedarfen L, S oder E) nur die neuen fünften Jahrgänge ausgestattet. Bei der Zuweisung bleibt der Grundsatz bestehen, dass es sich hierbei um Ressourcen für das System handelt, deren schulinterne Verteilung von den Schulleitungen verantwortet wird.
Für die Ressourcensteuerung innerhalb der BSB sind Wiebke Richter (GS) und Frank Siebert (StS) sowie Ute Ledderbogen (Gymnasien) zuständig.
Grundlage der Zuweisung ist nach wie vor Drucksache 20/3641 (3. Ressourcenzuweisung am Ende der Drucksache).

Förderpläne

Frage: An einer Schule wird in den letzten Wochen im Jahrgang 5 ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen diagnostiziert. An wen in der BSB schickt die Schule nun den Förderplan?
Antwort: Förderpläne für Schüler/innen mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache oder emotionale und soziale Entwicklung werden nicht mehr der Behörde übersandt. Für diese Schüler/innen erhält die Schule eine systemische Ressource; eine kindbezogene Zuweisung wird hierdurch nicht mehr ausgelöst. Fragen zu den Förderplänen können an das zuständige ReBBZ gerichtet werden.

Förderung von Schüler/innen mit Migrationshintergrund

Frage: Wie ist mit Schüler/innen, die z. B. durch Zuzug aus dem Ausland oder Migrationshintergrund auch in höheren Jahrgangsstufen sehr schwache Deutschkenntnisse aufweisen, umzugehen? Ein Nachteilsausgleich ist für diese Schüler/innen nicht vorgesehen (d. h. dann z. B. keine zusätzlichen Hilfsmittel bei Klausuren).
Antwort: Unterstützung im Unterricht ist grundsätzlich kein Problem, da diese Unterstützung im Unterricht auch als Form der Individualisierung laufen kann. Erleichterungen können auch im Rahmen der Sprachförderung gewährt werden. Die Frage einer angemessenen Erleichterung sollte von der Aufenthaltsdauer in Deutschland bzw. der Dauer des Schulbesuchs in Deutschland abhängig gemacht werden. Im Hinblick auf die Dauer kann der in § 23 Absatz 1 APO-GrundStGy genannte Zeitraum analog herangezogen werden: Nach drei Schulbesuchsjahren müssen die Erleichterungen vollständig abgebaut sein.

IVK und Basisklassen 

Systemische Ressource sonderpädagogische Förderung
Folgende Ressourcenzuweisung erfolgt automatisch, ohne dass Schulen Schüler/innen auf Förderbedarfe hin überprüfen müssten (Ergebnis eines Termins bei der Behördenleitung zum Thema „LSE-Zuweisung für IVK und Basisklassen“ im Sommer 2015): Bei der Zuteilung werden neben den ReBBZ-diagnostizierten Schüler/innen auch Kinder und Jugendliche in IVK (mit 15 Schüler/innen geführt) und Basisklassen (mit 10 Schüler/innen geführt) berücksichtigt. Dabei wird unterstellt, dass in jeder IVK zwei Schüler/innen mit Förderbedarf LSE sind und dass in jeder Basisklasse ein Kind einen LSE-Förderbedarf hat (auch wenn keine entsprechende Diagnostik vorliegt). Die Grundversorgung ist in der KSP zurzeit nicht oder nur schwer nachzuvollziehen. In begründeten Fällen bitte Kontakt zu Frau Wiebke Richter (wiebke.richter@bsb.hamburg.de) aufnehmen.

Frage: Wir haben gerade fünf IVK an unserer Schule. Was passiert, wenn die Schüler/innen in einem Jahr in die Regelklassen gehen?
Antwort: Hierzu gibt es noch keine (politischen) Beschlüsse, die eine Antwort darauf geben, ob es als sinnvoll erachtet wird, die Schüler/innen in Kleingruppen in die bestehenden Klassen zu geben, ob es ratsam sein könnte, sie in bestimmten Bereichen gemeinsam zu unterrichten etc.

Frage: Wie gehen wir vor, wenn ein spezieller sonderpädagogischer Förderbedarf vermutet wird? Braucht es eine spezielle Diagnostik?
Antwort: Bei einem speziellen sonderpädagogischen Förderbedarf geht es letztendlich um die Zuweisung einer kindbezogenen Ressource. Deshalb wenden Sie sich an das zuständige ReBBZ, das wiederum den Kontakt zu der speziellen Sonderschule bzw. zum Beratungszentrum aufnehmen wird.

Frage: Wie steht es insgesamt um Testungen bei Schülerinnen und Schülern in den IVK? Das ReBBZ meldet zurück, für die Testung stünden keine Ressourcen zur Verfügung.
Antwort: Sie können im ReBBZ anfragen und um eine Testung bitten. In den ReBBZ sind sprachfreie Tests vorhanden. Auch können an dieser Stelle Institutsambulanzen aufgesucht werden, zum Beispiel im UKE oder niedergelassene Kinder- und Jugendpsychologen. Im ReBBZ Mitte ist zudem die Fachstelle Flucht angesiedelt. Diese erreichen Sie, indem Sie sich an das für Sie zuständige ReBBZ wenden und Ihrer Anfrage den Hinweis hinzufügen, dies sei eine Anfrage an das ReBBZ Mitte – Fachstelle Flucht.

Frage: Was können wir tun, wenn z. B. nonverbale Tests innerhalb der Diagnostik notwendig sind, wir in der Schule aber nicht über das notwendige Knowhow verfügen?
Antwort: Wenden Sie sich an das zuständige ReBBZ. Ggfs. ist eine Testdurchführung dort vor Ort möglich oder Ihnen wird die Möglichkeit eingeräumt, an Testdurchführungen teilzunehmen und einen Eindruck zu bekommen oder das ReBBZ holt sich Unterstützung in der Fachstelle Flucht (ReBBZ Mitte).

Frage: Wie gehen wir als Schule mit der Empfehlung der Kollegin in der IVK um, die einen Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, der aufgrund seines Lebensalters ein Schüler der fünften Klasse wäre, in eine dritte Klasse umschulen möchte, da sein Lernstand dem Stand der dritten Klasse entspricht?
Antwort: Vorrang bei der Entscheidung hat stets die altersgemäße Beschulung. Abzuwägen wäre, ob der Schüler in der vierten Klasse beschult wird, um ihm einen Anschluss an die zielgleiche Beschulung zu ermöglichen. Aber dann stellt sich die Frage, ob er wirklich einen Förderschwerpunkt Lernen hat – denn den kann er nicht durch Wiederholung überwinden.

Frage: Wie verfahren wir als Schule mit IVK-Kindern aus Jahrgang 3? Was machen wir, wenn jetzt schon absehbar ist, dass ein Kind einen Förderbedarf haben wird und im nächsten Schuljahr dann in einer Regelklasse in Jahrgang 4 beschult wird, wenn wir bei Kindern in den IVK-Klassen noch keine Diagnostik durchführen dürfen? Der Zeitpunkt für die Abgabe der Klärungsbögen für Kinder, bei denen wir einen sonderpädagogischen Förderbedarf über den 4. Jahrgang hinaus vermuten, ist dieses Jahr für Kinder in Jahrgang 3 Mitte Juni. Gibt es für IVK-Kinder eine Ausnahmeregelung?
Antwort: Nein, es gibt keine Ausnahmeregelung, sondern auch hier die Empfehlung, sich des Klärungsbogens zu bedienen, einzutragen, was bekannt ist/vermutet werden kann und sich dann an das zuständige ReBBZ zu wenden.

Lese-/Rechtschreibschwäche     

Frage: Richtlinie zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen, Ziff. 4.3: „Über die im Einzelfall durchzuführenden Maßnahmen entscheiden die in der Klasse unterrichtenden Lehrkräfte im Einvernehmen mit den Sorgeberechtigten der betroffenen Schülerinnen und Schüler.“ Worauf bezieht sich das demgemäß zu erzielende Einvernehmen – auch auf die im vorhergehenden Satz genannte Möglichkeit der Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung?
Antwort: Das „Einvernehmen“ bezieht sich auf die „Maßnahmen“ gemäß Ziffer 4.1 der Richtlinie, nicht aber auf die „Abweichungen“ gemäß Ziffer 4.2 der Richtlinie.

Frage: Wie ist (auch im Rahmen des Nachteilsausgleichs) mit Schüler/innen umzugehen, bei denen erst in höheren Jahrgängen eine schwere Lese-/Rechtschreibschwäche erkannt wird (die Diagnostik ist dann schwierig, Sprachförderung gibt es i.d.R. nur bis zum Ende der Sek I, an Gymnasien sind spezielle Sprachförderressourcen ohnehin knapp bis nicht vorhanden)?
Antwort: Alle Schulformen haben die Aufgabe, die Schüler/innen so zu fördern, dass individuelle Schwächen ausgeglichen werden. Dies gilt unabhängig vom Vorhandensein von Sprachförderressourcen auch dann, wenn eine schwere Lese-/Rechtschreibschwäche ausnahmsweise erst in höheren Jahrgangsstufen erkannt wird. Zusätzlich zur Förderung erhält der Schüler/die Schülerin Nachteilsausgleich, z.B. durch die Möglichkeit, bei Klausuren einen Laptop mit Rechtschreibhilfe zu nutzen. Diagnostik soll soweit wie möglich durchgeführt werden; sofern die Schule dies nicht leisten kann, lässt sie sich unterstützen (z.B. durch ReBBZ).

Medikamentengabe

Frage: Was ist bei Medikamentengaben in der Schule zu berücksichtigen?
Antwort: Zu Fragen im Zusammenhang mit Medikamentenvergaben an Schulen ist folgende Handreichung zu beachten:  Medikamentenvergabe. Handreichung für die Medikamentenvergabe an Schülerinnen und Schüler in der der Schule (Behörde für Schule und Berufsbildung, 2013).
http://www.hamburg.de/contentblob/4089990/data/medikamente.pdf
Schulleitungen können darüber hinaus rechtssichere Auskünfte in der Rechtsabteilung (Amt für Verwaltung, V 3) oder in der Personalabteilung (V 4) erhalten.

Nachteilsausgleich 

Frage: Sind Lehrkräfte dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ein Schüler/eine Schülerin einen gewährten Nachteilsausgleich auch tatsächlich wahrnimmt?        
Antwort: Nein. Nachteilsausgleich wird gewährt und gegenüber dem Schüler/der Schülerin pädagogisch begründet. Dass dieser in vollem Umfang wahrgenommen wird, kann nicht erzwungen werden.

Nachteilsausgleich FöS Krankheit

Frage: Ich habe einen Schüler mit hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten (etwa zwei bis drei Tage/Woche). Er soll eigentlich seinen ESA machen. Geht das über zwei Jahre?
Antwort: Ja, im Rahmen eines Nachteilsausgleichs. Hinweise hierzu finden Sie in der Handreichung Nachteilsausgleich (http://www.hamburg.de/contentblob/3897226/data/nachteil-dl.pdf). Sie haben außerdem die Möglichkeit, sich durch das Bildungs- und Beratungszentrum für Pädagogik bei Krankheit/Autismus beraten zu lassen. Ansprechpartnerin ist dort Frau Meister (http://www.hamburg.de/bsb/bbz). Liegt gegebenenfalls ein sonderpädagogischer Förderschwerpunkt Krankheit vor? Dies wäre im Einzelfall zu prüfen.

Nachsteuerungsreserve

Frage: Bei uns zeichnet sich ab, dass wir in den neuen ersten Klassen wesentlich mehr Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben werden. Gibt es die Möglichkeit der Nachsteuerung?
Antwort: Ja. Dazu müssen Sie, begründet über die sonderpädagogischen Förderpläne, die Deckungslücke darlegen. Der Antrag wird über die Schulleitung an den Landesschulrat gestellt, der die Entscheidung trifft. Das Verfahren hat auch für höhere Klassenstufen Gültigkeit.

Frage: Viele Schüler/innen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen entdecken wir erst in Klasse 5 und 6. Braucht es nicht hier einen weiteren Klärungszeitpunkt und eine Ressourcensteuerung?
Antwort: Wenn es sich dabei nicht um pädagogische Förderbedarfe handelt, besteht die Möglichkeit, den Antrag auf Nachsteuerung zu stellen. Dazu muss es allerdings eine erhebliche Differenz zwischen der systemischen Ressource und den tatsächlichen Schülerzahlen geben. Diese sind durch die Förderpläne der entsprechenden Schüler/innen zu belegen und gebündelt mit dem Antrag über die Schulleitung an den Landesschulrat zu senden, der die Entscheidung über eine mögliche Nachsteuerung trifft.

Notengebung Gymnasium

Frage: § 10 Absatz 2 APO-AH: Bei erheblichen Mängeln in der sprachlichen Richtigkeit „sind (…) bis zu zwei Punkte in der einfachen Wertung abzuziehen (…)“ – Bedeutet die Formulierung „sind (…) abzuziehen“, dass mindestens ein Punkt abzuziehen ist, oder kann auch auf einen Notenabzug ganz verzichtet werden?
Antwort: Mindestens ist ein Punkt, maximal sind zwei Punkte in einfacher Wertung abzuziehen. Diese Regelung orientiert sich an § 6 Absatz 2 der KMK-Vereinbarung über die Abiturprüfung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II: „Bei der Korrektur und Bewertung [der schriftlichen Prüfungsarbeiten] führen schwerwiegende und gehäufte Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit oder gegen die äußere Form zu einem Abzug von einem oder zwei Punkten in einfacher Wertung.“

Frage: Gilt die Regelung zum Notenabzug bei erheblichen Mängeln in der sprachlichen Richtigkeit nur bei diagnostizierter Lese/Rechtschreibschwäche (LRS, Legasthenie gem. ICD 10) oder allgemein?
Antwort: Die Regelung gilt allgemein für Schüler/innen mit und ohne diagnostizierter Lese-/ Rechtschreibschwäche

Schulabschluss

Frage: Gibt es Vorgaben, wie Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen auf einen möglichen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss vorbereitet werden müssen/können?
Antwort: Nein, rechtliche Vorgaben gibt es nicht. Hinweise zur inhaltlichen Vorbereitung gibt das zuständige ReBBZ. Zu Vorbereitungsklassen in Stadtteilschulen, die diese Zielgruppe ansprechen, kann ReBBZ-übergreifend Herr Roik, Gesamtleitung ReBBZ Nord, Auskunft geben.

Frage: Muss ein sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich Lernen vorher aufgehoben werden, damit Schüler/innen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen zur ESA-Prüfung zugelassen werden können?
Antwort: Voraussetzung für das Erreichen eines ESA ist die zielgleiche Unterrichtung der Schülerin oder des Schülers im letzten Schuljahr vor Teilnahme an der Abschlussprüfung. Dies ergibt sich daraus, dass der ESA gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 2 APO-GrundStGy einen bestimmter Notendurchschnitt im Jahreszeugnis erfordert. Die Noten beziehen sich auf das ganze Schuljahr und erfüllen nur dann die Anforderungen der Bildungspläne zur Erreichung des ESA, wenn sie auf zielgleicher Bewertung beruhen. Daraus folgt, dass auch bei Schüler/innen der ReBBZ mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen im letzten Jahr vor der Abschlussprüfung eine zielgleiche Unterrichtung erfolgen muss. Die zielgleiche Unterrichtung muss im Förderplan zu Anfang des Schuljahres, in dem der Abschluss erreicht werden soll, ausdrücklich festgelegt werden. Für das Zeugnis sind die entsprechenden Vordrucke zu verwenden. Der Übergang von der zieldifferenten in die zielgleiche Beschulung setzt nicht die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs Lernen voraus. Vielmehr kann der Förderbedarf Lernen auch bei zielgleicher Unterrichtung fortbestehen und durch sonstige (d.h. nicht die Zieldifferenz betreffende) sonderpädagogischen Maßnahmen berücksichtigt werden. Durch Beibehaltung des sonderpädagogischen Förderbedarfs Lernen ist der Verbleib der Schüler/innen an dem jeweiligen ReBBZ gesichert, es besteht ein begründetes Schulverhältnis.
Ebenso kann der sonderpädagogische Förderbedarf Lernen bei Aufhebung der zieldifferenten Beschulung zur Erlangung des ESA für Schüler/innen in den allgemeinen Schulen beibehalten werden. Diese Aussage gilt analog zur Vorgehensweise innerhalb der ReBBZ. Es ist also möglich, dass der sonderpädagogische Förderbedarf Lernen aufrechterhalten bleibt, obwohl die Schülerin oder der Schüler schon nach den Bildungsplänen zur Erreichung des ESA unterrichtet wird. Wenn der sonderpädagogische Förderbedarf im Bereich Lernen faktisch noch besteht, also in diesem Bereich noch eine gezielte Förderung nötig ist, kann diesem Bedarf durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel Nachteilsausgleich über § 20 AO-SF Rechnung getragen werden. Der Nachteilsausgleich muss zum Ausgleich der Behinderung erforderlich sein und die fachlichen Anforderungen unberührt lassen.

Frage: Welches Zeugnis erhalten Schüler/innen, die keine ESA-Prüfung ablegen können, weil sie es inhaltlich nicht schaffen?
Antwort: Das kommt darauf an, ob sie noch schulpflichtig sind. Sind sie es, gilt § 22 AO-SF, sind sie es nicht mehr, gilt § 23 Absatz 2 AO-SF. Evtl. kann mithilfe eines Kompetenzrasters bescheinigt werden, welche Leistungen der Schüler/die Schülerin erbracht hat und inwieweit ggf. diese Leistung jeweils an die Bedingungen für an den ESA heranreicht. Dies ist aber rechtlich nicht bindend.

Frage: Ist es möglich, Vorbereitungsklassen ähnlich den früheren V-Klassen an Förderschulen und Hauptschulen zu installieren?
Antwort: Es ist möglich, zeitlich begrenzt gesonderte Lerngruppen einzurichten, siehe dazu § 12 Absatz 1 Satz 3 HmbSG.

Frage: Gibt es für Vorbereitungsklassen (ähnlich den früheren V-Klassen an Förderschulen und Hauptschulen)  Ressourcen?
Antwort: Eine spezielle „V-Klassen-Ressource“ gibt es nicht, hierfür muss die sonderpädagogische Ressource genutzt werden.

Schulbegleitung

Frage: Warum gibt es das Antragsformular für Schüler/innen mit dem Förderschwerpunkt ESE für die Beantragung von Schulbegleitungen nicht mehr auf der Website der BSB?
Antwort: Grundsätzlich setzt die Gewährung einer Schulbegleitung für Schüler/innen, die diese aufgrund einer gravierenden psychosozialen Entwicklungsbeeinträchtigungen benötigen, zunächst eine Fallanfrage beim ReBBZ und eine entsprechende Beratung durch das ReBBZ voraus. Da der Bedarf für eine Schulbegleitung im Zweifelsfall im Verlauf der Fallberatung durch das ReBBZ festgestellt wird, kommen auch erst dann entsprechende Formular zum Einsatz.

Zeugnisse

Frage: Können die Zeugnisformulare der allgemeinen Schulen auch für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf verwendet werden?
Antwort: Grundsätzlich ja; ein spezieller Zeugnisvordruck „So“ ist i.d.R. nicht erforderlich. Bei zielgleich unterrichteten Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind die Leistungen unabhängig vom Beschulungsort in der Weise nachzuweisen, wie dies durch die APO-GrundStGy vorgegeben wird. Für die Zeugnisse für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen allgemeinbildenden Schulen (Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien sowie Schulen der ReBBZ-Bildungsbereiche, spezielle Sonderschulen, überregionale Bildungszentren) gilt aber ergänzend die Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (AO-SF) vom 31.10.2012. Daher müssen die Zeugnisformulare für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Fußnote einen Verweis sowohl auf die APO-GrundStGy als auch auf die AO-SF enthalten.
Der ergänzte Verweis auf APO und AO hat folgenden Wortlaut:

  • „Das Zeugnis wurde aufgrund der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Grundschule und die Jahrgangsstufen 5 bis 10 der Stadtteilschule und des Gymnasiums (APO-GrundStGy) vom 22. Juli 2011 in der derzeit geltenden Fassung in Verbindung mit der Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf vom 31. Oktober 2012 (AO-SF) in der derzeit geltenden Fassung (zu finden unter www.schulrecht.hamburg.de) erstellt.“

Die, hier kursiv gesetzte, ergänzende Einfügung zur AO-SF ist durch die Schulen selbst vorzunehmen.

Frage: Welche Zeugnisse sind für zieldifferent unterrichtete Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auszustellen?
Antwort: Mit Blick auf die Zeugnisse für zieldifferent unterrichtete Schüler/innen gilt § 22 AO-SF. Demnach ist in allen Jahrgängen die Ausstellung eines Berichtszeugnisses möglich (§ 22 Abs. 1 AO-SF).
In den Zeugnisvordruck ist folgender Hinweis aufzunehmen:

  • „Die Angaben zum Leistungsstand beziehen sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der APO-GrundStGy nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne, sondern gemäß § 22 Absatz 3 der AO-SF auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans.“

Zugleich ist es auf Wunsch der Sorgeberechtigten aber auch möglich, ein Notenzeugnis oder ein kombiniertes Zeugnis mit Noten und Berichtsteil auszustellen: Hierzu heißt es in § 22 Abs. 3 AO-SF:

  • „Verlangen die Sorgeberechtigten gemäß §44 HmbSG ergänzend oder alternativ zum Lernentwicklungsbericht die Ausweisung des Leistungsstands in Noten, so beziehen sich diese auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans. Der individuelle Rahmen, auf den die Noten oder Punkte Bezug nehmen, ist im Zeugnis kenntlich zu machen. Die Sorgeberechtigten sind im Vorfeld darüber aufzuklären, dass die erteilten Noten oder Punkte sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Grundschule und die Jahrgangsstufen 5 bis 10 der Stadtteilschule und des Gymnasiums (APO-GrundStGy) vom 22. Juli 2011 (HmbGVBl. S. 325) in der jeweils geltenden Fassung nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne beziehen. Den Sorgeberechtigten ist ebenso zu erläutern, dass die erteilten Noten nicht zu einer Übergangsberechtigung nach den §§ 13, 31 und 32 APO-GrundStGy und nicht zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss, mittleren Schulabschluss und zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife führen.“

Liegt ein solcher Wunsch der Sorgeberechtigten einer zieldifferent unterrichteten Schülerin oder eines zieldifferent unterrichteten Schülers mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor, sind die Zeugnisse der jeweiligen Jahrgangsstufe zu verwenden. Verlangen die Sorgeberechtigten sowohl einen Bericht als auch ein Notenzeugnis, kann der Zeugnisvordruck ggf. um einen Lernentwicklungsbericht als Anlage ergänzt werden.
In den Zeugnisvordruck ist ein Hinweis mit folgendem Wortlaut aufzunehmen:

  • „Die Noten beziehen sich abweichend von § 2 Absatz 1 Satz 2 der APO-GrundStGy nicht auf die Anforderungen der allgemeinen Bildungspläne, sondern gemäß § 22 Absatz 3 der AO-SF auf die Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans. Die erteilten Noten führen nicht zu einer Übergangsberechtigung nach den §§ 13, 31 und 32 APO-GrundStGy und nicht zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss, mittleren Schulabschluss und zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife.“

In den an Grundschulen erteilten Zeugnissen ist der zweite Satz („Die erteilten Noten […] Hochschulreife“) nicht erforderlich. Ein auf diese Regelungen bezogenes Hinweisblatt findet sich auch auf der BSB-Website im Bereich der Zeugnisvordrucke (http://www.hamburg.de/bsb/vordrucke-formulare/).

Frage: Muss das Zeugnisformular einen Eintrag „Die Schülerin/der Schüler hat sonderpädagogischen Förderbedarf“ sowie ggf. die Nennung des Förderschwerpunkts enthalten?       
Antwort: Bei zielgleich unterrichteten Schüler/innen ist dies nicht zwingend erforderlich. Bei zieldifferent unterrichteten Schüler/innen soll die Tatsache, dass sie/er sonderpädagogischen Förderbedarf hat und zieldifferent unterrichtet wird, jedoch aus dem Bericht klar hervorgehen. Sofern die Sorgeberechtigten für zieldifferent unterrichtete Schüler/innen ein Notenzeugnis verlangen, ist der Zusatz gemäß § 22 Absatz 3 AO-SF zwingend.

Frage: Wie ist bei Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit dem Nachweis der überfachlichen Kompetenzen (Kompetenzraster) umzugehen?         
Antwort: Überfachliche Kompetenzen als Element der Zeugnisse werden (nur) bis einschließlich Jahrgang 8 nachgewiesen. Grundsätzlich gilt: Zielgleich unterrichtete Schüler/innen erhalten das gleiche Zeugnis wie Schüler/innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, entsprechend sind, soweit gefordert, auch die überfachlichen Kompetenzen nachzuweisen. Sofern bei einer Schülerin/einem Schüler aufgrund der Spezifika des sonderpädagogischen Förderschwerpunkts (z.B. Autismus-Spektrum-Störung) überfachliche Kompetenzen nicht in gleicher Weise beurteilbar sind wie bei Schüler/innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, gelten zunächst die Hinweise zum Nachteilsausgleich, d.h. die Schülerin/der Schüler erhält Erleichterungen und Unterstützung bzw. alternative Aufgabenformate so, dass ihr/ihm ermöglicht wird, die geforderten Kompetenzen auf geeignete Weise nachzuweisen. Die behinderungsbedingten Nachteile der Schüler/innen sind durch pädagogisch sinnvolle Maßnahmen soweit wie möglich zu kompensieren.
Sollte in besonderen Einzelfällen eine ansonsten zielgleich unterrichtete Schülerin bzw. ein zielgleich unterrichteter Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor dem Hintergrund der Spezifika ihrer/seiner Beeinträchtigungen/Behinderungen auch unter Nutzung des Nachteilsausgleichs altersgemäß erwartbare bzw. geforderte überfachliche Kompetenzen nicht nachweisen können, ist die Dokumentation der überfachlichen Kompetenzen gemäß der individuellen Lernfortschritte vorzunehmen; hierauf ist in den Anmerkungen zu den überfachlichen Kompetenzen hinzuweisen. Davon unbeschadet gilt: Kann eine Schülerin/ein Schüler aufgrund einer spezifischen Beeinträchtigung (z.B. körperlicher Art) eine gemäß Bildungsplan bzw. APO geforderte Leistung objektiv nicht erbringen (z.B. im Sport) und es ist ihr/ihm auch nicht möglich, eine Ersatzleistung zu erbringen, kann im Zeugnis „n.b.“ eingetragen werden. Wo immer möglich sind aber Ersatzleistungen vorzusehen bzw. mithilfe der Nachteilsausgleichsregelungen zu ermöglichen.

Zielgleicher/zieldifferenter Unterricht     

Frage: Ist es möglich, Schüler/innen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen, die nicht als Förderschwerpunkte Lernen oder Geistige Entwicklung benannt sind, zieldifferent zu unterrichten?          
Antwort: Die rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen ist § 14 Absatz 4 der Verordnung über die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (AO-SF). Dort heißt es:                                                               

  • „(4) Sofern bei einer Schülerin oder einem Schüler ein Förderbedarf in mehreren Förderschwerpunkten besteht, ist ein vorrangig zu gewichtender Förderschwerpunkt zu benennen. Liegt der vorrangige Förderschwerpunkt in den Bereichen Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, Sehen, Hören und Kommunikation, körperliche und motorische Entwicklung oder Autismus, so soll die schulische Förderung gemäß den Anforderungen der Bildungspläne Grundschule, Stadtteilschule oder Gymnasium erfolgen. Die zuständige Behörde kann eine zieldifferente Förderung, die gemäß den Anforderungen des individuellen sonderpädagogischen Förderplans erfolgt, aus wichtigen Gründen genehmigen.“

Die Regelung gilt für Schüler/innen mit einem festgestellten sonderpädagogischem Förderbedarf,  bei dem grundsätzlich zielgleiche Unterrichtung angenommen wird. Sie gilt nicht für Schüler/innen, die keinen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Hier ist eine zieldifferente Unterrichtung grundsätzlich nicht möglich, auch nicht mit einer Genehmigung der Behörde, da es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt.

Frage: Werden Schüler/innen, die das Klassenziel nicht erreicht haben, die die Klasse nicht wiederholen und somit im nächsten Schuljahr durch Binnendifferenzierung im grundlegenden Stoff der vorherigen Stufe unterrichtet werden, als zieldifferent unterrichtet bezeichnet?         
Antwort: Die in den Bildungsplänen niedergelegten Anforderungen sind i.d.R. nicht auf eine Klassenstufe bezogen, sondern auf bestimmte Abschnitte des jeweiligen Bildungsgangs. Für die Grundschule sind in den Rahmenplänen der Fächer recht allgemein gehaltene Beobachtungskriterien für das Ende der Jahrgangsstufen 1 und 2 sowie Regelanforderungen für das Ende der Jahrgangsstufe 4 ausgewiesen. Diese Regelanforderungen wiederum beziehen sich auf ein durchschnittliches mittleres Leistungsniveau; sie wären durch die jeweilige Schule mit Blick auf Schüler/innen mit kognitiven Einschränkungen auf Mindestanforderungen anzupassen. Für die Stadtteilschule sind im Bildungsplan jeweils Mindestanforderungen (und erhöhte Anforderungen) für das Ende der Jahrgangsstufe 6 und dann wieder Mindestanforderungen für den ersten allgemeinbildenden Abschluss definiert.  Eine zieldifferente Unterrichtung kommt grundsätzlich nur bei festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen oder Geistige Entwicklung in Frage, bei anderen Förderschwerpunkten nur mit Genehmigung der Behörde (s.o.).
Bei der Einschätzung „zielgleich-zieldifferent?“ ist demnach das Mindestziel des Bildungsganges in den Blick zu nehmen, nicht aber das schulindividuell definierte Ziel einer jeweiligen Klassenstufe.

Frage: Für Schüler/innen mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache ist die Gefahr groß, dass das Wort „zieldifferent“ im Regelschulbetrieb beim Übergang in die weiterführende Schule angekreuzt wird. Könnte dies dazu führen, dass die Leistungsanforderungen an diese Schüler/innen zurückgenommen werden und ihnen dadurch schon frühzeitig die Chance verbaut wird, einen allgemeinen Bildungsabschluss zu erlangen?
Antwort: Grundsätzlich ja. Gemäß § 14 AO-SF wird bei Schüler/innen mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache unterstellt, dass diese zielgleich unterrichtet werden (d.h. perspektivisch zumindest den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss erreichen) können. Dies kann durchaus einschließen, dass in einzelnen Fächern Bildungsziele später als von Durchschnitt der Klasse erreicht werden (auch an weiterführenden Schulen). Ggf. kann, wenn dies nach individueller Einschätzung als hilfreich angesehen wird, auch eine Genehmigung zur zieldifferenten Unterrichtung in einzelnen Fächern eingeholt werden (siehe hierzu § 14 Absatz 4 AO-SF). Dabei sollte eine Rückkehr zum zielgleichen Unterricht so bald als möglich angestrebt werden, um der Schülerin bzw. dem Schüler die Perspektive auf einen Schulabschluss zu erhalten. Umso näher der erste allgemeinbildende Schulabschluss heranrückt, desto stärker/größer ist die Verpflichtung zur Information der Schüler/innen sowie ihrer Sorgeberechtigten hinsichtlich ihrer tatsächlichen Chancen zum Erwerb des Abschlusses („faire Perspektive“). Da für einen Abschluss ohnehin in allen Fächern die Mindestanforderungen erfüllt werden müssen, ist der zielgleiche Unterricht rechtzeitig zu realisieren. 

Frage: Der Erwerb einer Fremdsprache ist für Schüler/innen mit einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung mit denselben Schwierigkeiten verbunden, wie sie beim Erlernen der Muttersprache und der Schriftsprache auftreten können. Folgerichtig sind sie sehr häufig mit dem Erlernen einer Fremdsprache überfordert. Sie profitieren nicht immer von dem frühzeitigen Unterricht, sondern können durch das andersartige Sprachsystem zusätzlich verunsichert oder verwirrt werden.
Bei einer Benotung im Fach Englisch müsste, am allgemeinen Maßstab gemessen, meistens die  Note 6 vergeben werden. Wäre ein folgerichtiger Nachteilsausgleich die Befreiung vom Englischunterricht? Dadurch würden auch zusätzliche Lernkapazitäten frei, um den zusätzlichen Aufwand (sehr viel mehr Übungen sind zur Automatisierung notwendig) im Bereich Deutsch zu bewältigen. Ist ein entsprechender Nachteilsausgleich möglich? 
Antwort: Nein. Die vollständige Befreiung vom Erlernen einer Pflichtfremdsprache wird vom Instrument „Nachteilsausgleich“ nicht abgedeckt. Nachteilsausgleich bezieht sich regelhaft auf „angemessene Erleichterungen“ (siehe § 6 APO-GrundStGy) bei der Leistungserbringung. Ein regelhafter Verzicht auf Teilnahme einer Schülerin/eines Schülers am Unterricht bzw. an bestimmten Teilen/Fächern des Unterrichts kann nur in wenigen, besonderen Einzelfällen in Frage kommen (z.B. bei Schwangerschaft, bei Autismus-Spektrum-Störungen oder bestimmten Krankheitsfällen), nicht aber in dem hier skizzierten Fall. Hier wäre stattdessen das Spektrum ergänzender Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, um der Schülerin/dem Schüler das Erreichen der Mindestanforderungen im jeweiligen Fach zu ermöglichen.

Frage: Kann/darf ein Schüler/eine Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen trotz der grundsätzlich zieldifferenten Unterrichtung im Rahmen des Programms „Fördern statt Wiederholen“ gemäß § 45 HmbSG gefördert werden?
Antwort: Nein, es gilt § 1 Absatz 2 VO-BF: „Diese Verordnung gilt für alle Schülerinnen und Schüler, die nach den Anforderungen der Bildungspläne der Grundschule, der Stadtteilschule oder des Gymnasiums unterrichtet werden.“ Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten eine umfassende sonderpädagogische Förderung.

Frage: Ist eine zieldifferente Unterrichtung von „Regelschüler/innen“, die in einem einzelnen Fach so weit hinter den Anforderungen des Bildungsplanes zurück liegen, dass sie nur über völlig andere Angebote im Unterricht sinnvoll in ihrer Weiterentwicklung gefördert werden können, möglich?. Beispiel: Eine Fünftklässlerin, die maximal den Zahlenraum bis 100 überschaut.        
Antwort: Diese Schüler/innen können gefördert werden, insb. auch mit Ressourcen aus dem Bereich „Fördern statt Wiederholen“ gemäß § 45 HmbSG oder mit BuT-Mitteln (sofern sie BuT-berechtigt sind), aber eine zieldifferente Unterrichtung (d.h. auch der Verzicht auf Benotung) ist bei diesen Schüler/innen nicht möglich.

Zuerkennung des Förderschwerpunktes

Frage: Welcher Förderbedarf ist bei einem Kind mit Tourette-Syndrom (gemäß IDC-10)  auszuweisen? Welcher Förderbedarf ist bei einem Kind mit fetaler Alkoholspektrum-Störung (FASD) + Kokain/Nikotin/Heroin auszuweisen?
Antwort: Die Zuerkennung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs bzw. die Bewertung hinsichtlich des zutreffenden Förderschwerpunkts kann in der Regel nicht ausschließlich auf der Basis eines ICD-Wertes vorgenommen werden; vielmehr ist dazu eine Gesamteinschätzung des jeweiligen Kindes, seiner Beeinträchtigungen mit Blick auf die in Schule und Unterricht zu bewältigenden Anforderungen und seiner individuell vorhandenen Potentiale vorzunehmen. Soweit dies die in Ihrer Schule tätigen Sonderpädagog/innen nicht zu leisten vermögen, wenden Sie sich bitte mit der Bitte um fachliche Unterstützung an das für ihre Schule zuständige Regionale Bildungs- und Beratungszentrum bzw. an eine spezielle Sonderschule.