Interview: "Tagung für einen Paradigmenwechsel"

Inklusion ist nicht einfach eine neue pädagogische Aufgabe, sondern vielmehr die Verwirklichung eines Menschenrechts. Das jedenfalls finden Mareile Krause, Thomas Krall und Tilman Kressel vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Weil mit der Umsetzung enorme Herausforderungen verbunden sind, haben sie die Tagung „Inklusion – Normal ist die Vielfalt“ entwickelt, geplant und organisiert. Mit ihnen sprach die Journalistin Friederike Ulrich.

Interview: "Tagung für einen Paradigmenwechsel"

Frage: Wie kamen sie auf die Idee zu dem Seminar?
Mareile Krause: Wir waren auf dem Rückweg von einer Tagung in Bremen, die sich mit dem Thema Inklusion beschäftigt hat. Es entstand der Gedanke, so etwas auch in Hamburg zu veranstalten – nur vielfältiger und größer, damit möglichst viele Teilnehmer etwas davon haben. Wir wollten auch mehr Praxisbezug herstellen und den Unterricht in den Mittelpunkt rücken. Und uns war auch wichtig, dass die Veranstaltung Spaß macht!


Frage: Was wollen Sie mit der Tagung erreichen?
Tilman Kressel: Möglichst viele Kollegen sollen konkrete Anregungen für den Unterricht, aber auch für die Schulentwicklung bekommen. Außerdem zeigen wir viele gelungene Beispiele für Inklusion. Sollte es uns gelingen, dass die Teilnehmer am Ende der Tagung zuversichtlicher sind als vorher und mit neuen Ideen in die Schule zurückgehen, haben wir unser Ziel erreicht.

Mareile Krause: Inklusion ist auch ein Berg neuer Anforderungen. Den möchten wir abtragen helfen.

Frage: Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert?
Tilman Kressel: Neun Monate.


Frage: Und wie viele Mitarbeiter waren und sind mit Vorbereitung und Durchführung beschäftigt?

Mareile Krause: Bestimmt 40 Kolleginnen und Kollegen. Der Titel „Normal ist die Vielfalt“ spiegelt sich übrigens auch darin wieder, dass sich alle Abteilungen des Landesinstituts mit der ganzen Vielfalt ihrer Kompetenzen und Angebote beteiligen. Tilman Kressel: Weil die Aufgabe der Inklusion alle Bereiche von Schule betrifft, war es nur folgerichtig, ein Angebot zu erstellen, das alle hier vorhandenen Kompetenzen bündelt. Von der Ausbildung über die Fortbildung bis zur Prävention.


Frage: Wo lagen die Herausforderungen?
Thomas Krall: Wir haben mehr als 70 Einzel-veranstaltungen organisiert. Dazu gehörte, sowohl Referenten aus dem Landesinstitut als auch aus anderen Bundesländern zu gewinnen, außerdem nach Beispielschulen zu suchen und Workshopanbieter zu finden. Um uns dem Thema aus vielen unterschiedlichen Perspektiven nähern zu können, haben wir eine Vielzahl von Veranstaltungsformaten entwickelt. Das ist für uns Neuland – ebenso wie die Länge der Veranstaltungstage: von den Hospitationen am Morgen über die Trainingsangebote und Kurzvorträge bis zum Rollstuhlbasektball am Abend.

Tilman Kressel: Die Herausforderungen ergaben sich auch aus dem Thema. Inklusion ist nicht nur eine Frage des „wie mache ich das?“, sondern ein Paradigmenwechsel. Es geht um die Verwirklichung eines Menschenrechts. Das ist nicht in erster Linie ein didaktisch-methodisches Problem, sondern eine Frage von Mut und Haltung. Bei dieser pädagogischen Aufgabe aber können Didaktik und Methodik uns unterstützen.


Frage: Was wünschen Sie sich für die kommenden Tage?
Mareile Krause: Mit vielen Kollegen zu sprechen, Ideen weiterzuentwickeln – und viele fröhliche und zuversichtliche Gesichter.

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