Distanzunterricht

Informationen zum Distanzunterricht für Hamburger Lehrkräfte und Eltern. 

Informationen rund um den Distanzunterricht für Lehrkräfte


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Kapitelübersicht


Liebe Kolleginnen und Kollegen

wir alle befinden uns zurzeit in einer Situation, die viel Flexibilität, Mut zum Umdenken und auch Kraft erfordert. Uns erreichen viele Nachfragen von Kolleginnen und Kollegen zur Gestaltung und zu spezifischen didaktischen Hinweisen eines für die Schülerinnen und Schüler unterstützenden und erfolgreichen Distanzunterrichts. Mit den folgenden Überlegungen zur „Didaktik im Distanzunterricht“ möchten wir Sie unterstützen und bündeln dazu unsere eigenen Erfahrungen als Unterrichtende, aus der aktuellen Beratung von Kolleginnen und Kollegen sowie aus den Rückmeldungen von Schulen. 

Die Schulen, Lehrkräfte und das pädagogische Personal investieren viel Zeit und versorgen die Schülerinnen und Schüler engagiert mit analogen und digitalen Materialien und Aufgaben. Viele Schülerinnen und Schüler kommen gut ins Arbeiten. Es gibt aber auch Schülerinnen und Schüler, die sich in der Menge der Aufgaben (insbesondere bei geringer häuslicher Unterstützung) verlieren und drohen den Anschluss zu verlieren. Hierfür wollen wir Ihnen einige erste Hinweise zur Verfügung stellen – um diese Schritt für Schritt zu ergänzen und zu erweitern. 

Der Distanzunterricht stellt für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Anforderung dar, weil der „übliche“ Lernkontext (mit einer strukturierenden Lehrkraft, in einem festen organisierten Raum, in einer Gruppe ebenfalls Lernender) sich vollständig verändert. Die üblichen Formen von Hilfestellung, von im-Blick-Behalten der Lernenden, von Ermutigung und Motivation, etc. fallen weg. Daher ist zu überlegen, welche Möglichkeiten sich hierfür unter den neuen Bedingungen ergeben. 
Wir wissen, dass die Familien und die Schülerinnen und Schüler zum Teil durch die Situation stark belastet sind. Sorgen, existentielle Ängste und auch belastende häusliche Situationen wiegen zum Teil schwerer als das selbstständige Arbeiten an bereitgestellten Aufgaben.
Auch wissen wir, dass die technischen Möglichkeiten sowohl in den Familien als auch bei den Lehrkräften unterschiedlich sind, und hier individuell passende Lösungen für die Kommunikation und den Austausch von Aufgaben und Ergebnissen gefunden werden müssen. Es werden aber auch viele positive Erfahrungen gemacht. Schülerinnen und Schüler fühlen sich beim Lernen gut begleitet und haben einen regelmäßigen Kontakt zu ihren Lehrerinnen und Lehrern.

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Welche Aufgaben und Materialien eignen sich?

Unabhängig von den Aufgabenformaten brauchen Schülerinnen und Schüler in der Regel Hinweise und Hilfestellung zur Strukturierung ihrer Arbeit und Arbeitszeit. Gerade im Distanzunterricht ist es für die Schülerinnen und Schüler wichtig möglichst genau zu formulieren, was sie tun sollen und was von ihnen erwartet wird. Ggf. ist es bei manchen Aufgaben auch sinnvoll oder notwendig, Kriterien für eine gute und ausreichende Leistung zu definieren, wie:

  • Zeit: Für welchen Zeitraum sind die Aufgaben? Wie lange sollte die Bearbeitung der Aufgaben ca. dauern?
  • Ergebnisse: Was soll in welcher Form abgegeben werden? Wozu gibt es ein Feedback? Wozu Lösungen? Hinweise zu den Produkten, die erstellt werden.
  • Kontakt: Wann und in welchem zeitlichen Abstand finden Gespräche statt (Video, Telefon u.a.)? ZU wann wird ein Ergebnis, eine Rückmeldung erwartet?
  • Erklärungen und Einführung: Je mehr Neues eine Aufgabe enthält, desto mehr wird die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer erforderlich sein. Viele Schülerinnen und Schüler brauchen gute Erklärungen und Einführungen dazu, was genau von ihnen erwartet wird, wie sie vorgehen sollen, vielleicht auch Beispiele für die Gestaltung von Lösungen und Pro-dukten, die zusammen mit den Aufgaben zur Verfügung gestellt werden können (als Anschreiben, als kleines Einführungsvideo, als Audiodatei o.ä.). 

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Aufgaben zum Üben, Vertiefen, Wiederholen

Phasen individueller Einzelarbeit bieten sich für Aufgaben an, bei denen es darum geht, Verstandenes zu festigen und zu wiederholen: Übungsformate, die auf das Automatisieren, aber auch auf das Vertiefen und Vernetzen, abzielen.

  • Hierfür eignen sich Materialien wie Arbeitsblätter, mit denen die Schülerinnen und Schüler für sich Routinen entwickeln, Fähigkeiten vertiefen und in bestimmten fachlichen Bereichen Sicherheit entwickeln können.
  • Dafür gibt es eine Reihe funktionaler Lern-Apps, mit deren Hilfe Schülerinnen und Schüler ansprechend und einfach fachliche Anforderungen üben und vertiefen können (z.B. auf www.learningsapps.de u.a.). Ebenso können geeignete Lern- und Erklärvideos solche Aufgabenformate durch Erläuterungen unterstützen.

Reflexion aus didaktischer Sicht:
Es ist eine Herausforderung für die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler, wenn der Anteil solcher Übungs- und Wiederholungsformate wie auch kleinteiliger Aufgaben sehr hoch ist. Insofern lohnt es im Blick zu behalten und klassenintern abzustimmen, was die einzelnen Fächer in einer Woche von den Schülerinnen und Schülern insgesamt erfordern.
Die Stärke von Erklär- und Lernvideos liegt in den Visualisierungen und einem niedrigschwelligen Zugang, die Inhalte decken dabei aber normalerweise ausschließlich den Anforderungsbereich 1 ab.

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Formate größerer, d.h. offenerer und komplexer Aufgabenstellungen

In allen Fächern gibt es Beispiele für projektartige, komplexe Aufgabenformate, die zum Entdecken und Denken anregen, die Recherche, Vergleich, Schlussfolgerung, Transfer und Verstehen erfordern. Ein Wechsel zwischen Übungsformaten und komplexeren (Denk-) Aufgaben ist für die Aufmerksamkeitsspanne und die Motivation der Schülerinnen und Schüler von großer Bedeutung.
Vielleicht gibt es inhaltliche Freiräume, die sich jetzt auftun, um Schülerinnen und Schüler anzuregen und zu selbstgesteuertem Lernen zu motivieren? Möglicherweise gibt es projektartige Lernsettings oder fächerverbindende Aufgaben, Forscheraufgaben, die gestellt werden können?  Offenere Aufgaben bieten sich zudem auch im Distanzunterricht besonders an, weil sie in der Regel auf unterschiedlichen Niveaus bearbeitet werden können.
Versuchen Sie, Schülerinnen und Schülern im Rahmen von offenen Aufgabenstellung eine Offenheit bei der Auswahl der Produktformen zu ermöglichen. Bieten Sie beispielsweise drei Produktformen an, aus denen der Schüler oder die Schülerin auswählen kann.

Reflexion aus didaktischer Sicht:
Bei offeneren Aufgaben ist es, je nach Voraussetzungen der Lernenden, wichtig, Arbeitsaufträge präzise und differenziert zu formulieren, da im Distanzunterricht weniger Möglichkeiten zum Nachfragen bestehen. Dabei können strukturierte Hinweise zum Vorgehen als Gerüst für die Schülerinnen und Schüler dienen. Möglicherweise können Zwischenschritte mit Ergebnissen festgelegt werden, so können der bisherige Lernprozess und die Denkschritte bzw. -hürden der Schülerinnen und Schüler sichtbar werden. Über kleine digitale Mittel kann man Zwischenstände oder Produkte vergleichen, Feedback geben und die fachlichen Aspekte weiter vertiefen (z.B. über das Führen eines gemeinsamen Blogs, eine Diskussion über Zwischenstände auf Padlet, kollaborative Schreibwerkzeuge, digitale Klassenräume mit Pinnwänden und Chatfunktion, gemeinsame Brainstormings mit z.B. Wortwolken)
Darüber hinaus können Schülerinnen und Schüler in die Erstellung von Aufgaben mit einbezogen werden oder sich und Mitschülerinnen und Mitschülern eine eigene Lernaufgabe formulieren.

Material:

     » Formulierungswabe

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In Kontakt bleiben

Wir sehen neben allen unterrichtlichen und fachlichen Fragen bei vielen Schülerinnen und Schülern  auch eine pädagogische Anforderung: Sie arbeiten alleine im häuslichen Kontext, d.h. auch der Sozialkontakt und die Kooperation sind weggebrochen, die für das fachliche und soziale Lernen, für Verstehensprozesse und Vertiefung, für den Austausch und die eigene Motivation und Entwicklung bedeutsam sind.
Daher möchten wir anregen, die folgenden Fragen auch mitzudenken:

  • Wie kommen Klassenlehrkräfte, Tutorinnen und Tutoren und Fachlehrkräfte in Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern?
  • Wie ist die Abstimmung im Team der Lerngruppe?
  • Wer ist für welchen Kontakt zuständig?
  • Welche Kinder und Jugendlichen benötigen besondere Aufmerksamkeit? 
  • Wie kommen die Schülerinnen und Schüler miteinander in Kontakt?
    • Z.B. über Arbeitsaufträge in Kleingruppen und in Partnerarbeit Schülerinnen und Schüler stellen oder korrigieren gegenseitig Aufgaben, erklären sich Dinge.
    • ...

Die Zusammenarbeit kann z.B. über ein gemeinsames Schreibwerkzeug, z.B. zumpad oder edupad, initiiert werden, auch Kleingruppen innerhalb des digitalen Klassenraums sind bei einigen Plattformen möglich (ggf. auch Videokonferenzen, Telefonkonferenzen). Erfahrungsgemäß ist es in der derzeitigen Situation hilfreich, wenn die Lehrkraft die Gruppen festlegt (nach für diese Lerngruppe sinnvollen Kriterien), dann sind auch Absprachen und Zusammenarbeiten per Telefon möglich oder mit Hilfe von Bildern über einen Messengerdienst (abhängig von den digitalen Möglichkeiten). Bewährt haben sich kleine Gruppen von max. 3 Personen.

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Fachbeispiele

Hier werden wir Ihnen Beispiele zum Üben und Vertiefen sowie zu offenen und komplexen Aufgabenstellungen für unterschiedliche Fächer zur Verfügung stellen.

     » KUNST (Grundschule)
     » GEOGRAPHIE
     » GESCHICHTE
     » GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
     » MATHEMATIK
     » MUSIK
     » NATURWISSENSCHAFTEN
     » PHILOSOPHIE
     » PGW
     » THEATER (Grundschule)
     » RELIGION

Gern nehmen wir auch gelungene Beispiele von Ihnen auf. Schicken Sie uns diese an Fernunterricht@li-hamburg.de

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Hinweis zur Konzentrationsspanne der Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht

Der Kanton Zug hat in einer aktuellen Handreichung zum Fernlernunterricht eine Empfehlung  über Fernlernzeit und damit Konzentrationsspanne je nach Altersstufe der Schülerinnen und Schüler herausgegeben.


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