Quelle: LI Hamburg
Sexualisierte Gewalt (Grundschule)
Hier finden Sie Informationen und Hilfsangebote für Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte, die an ihrer Grundschule mit diesem Thema konfrontiert werden.
Bei Bedarf an Fortbildungsveranstaltungen sprechen Sie uns an, wir vermitteln qualifizierte Referierende.
Beate Proll
Telefon 040 42 88 42 – 740 I E-Mail beate.proll@li.hamburg.de
Hilfe für konkrete Situationen
Eine Erstberatung bekommen Sie am Landesinstitut in der Abteilung Beratung - Vielfalt, Gesundheit und Prävention im Arbeitsbereich Sexualerziehung.
Kontakt: Beate Proll,
beate.proll@li.hamburg.de Telefon: 040/428842 - 740
Geht es um Übergriffe unter Kindern, dann wenden Sie sich an die Beratungsstelle Gewaltprävention der BSFB: www.hamburg.de/gewaltpraevention
Mit der Publikation „Sexuelle Grenzverletzung, Handeln bei sexuellen Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen“, die das Hamburger Landesinstitut mit der Beratungsstelle Gewaltprävention herausgegeben hat, werden Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte über die unterschiedlichen Aspekte der sexuellen Grenzverletzungen und mögliche Maßnahmen informiert.
Auf der Internetseite der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) zum Kinderschutz Kein Raum für Missbrauch können sich Pädagoginnen und Pädagogen, Schulleiterinnen und Schulleiter über Handlungsmöglichkeiten in der Schule informieren.
Hilfe finden betroffene Kinder, Jugendliche oder Erwachsene auch bei einer der Hamburger Fachberatungsstellen.
Hintergrundinformationen und Prävention
"Sexuelle Gewalt ist alltägliche Realität für tausende Kinder und Jugendliche. Sie ist so weit verbreitet, dass jede Lehrerin und jeder Lehrer mindestens eine Schülerin oder einen Schüler in jeder Klasse kennt, die oder der sexueller Gewalt ausgesetzt ist. Die Bedeutung von Schule als Ort für den Kinder- und Jugendschutz kann daher nicht hoch genug bewertet werden. Schule ist der einzige Ort außerhalb der Familie, wo alle Kinder und Jugendlichen täglich gesehen und erreicht werden können." Kerstin Klaus, Unabhängige Beauftragen für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)
Das Hilfeportal des Bundes bietet Informationen, Fakten und Hintergründe zu sexualisierter Gewalt. Unter dem Motto „Hilfe suchen, Hilfe finden“ finden Betroffene, Angehörige und Fachkräfte einen schnellen Zugang zu Hilfe und Beratung. Auch Menschen mit Sorgen um ein Kind machen oder Fragen zum Thema haben, erhalten hier Unterstützung.
Die Kultusministerkonferenz hat am 16.03.2023 einen Leitfaden zur Entwicklung und praktischen Umsetzung von Schutzkonzepten und Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt an Schulen beschlossen. Er soll Schulen helfen, Schutzkonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Der Leitfaden orientiert sich an den Schutzkonzepten der UBSKM. Er zeigt, wie man ein Schutzkonzept für die Schule entwickelt. Er erklärt, warum das sinnvoll ist und bietet Materialien und Empfehlungen, die man leicht anpassen kann.
Um alle pädagogische Fachkräfte darin zu unterstützen, Kinder und Jugendliche besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen, Betroffene im schulischen Umfeld zu erkennen und ihnen adäquate Hilfe zu bieten, hat der UBSKM in Zusammenarbeit mit den Bildungsministerien der Ländern das interaktive Fortbildungsangebot „Was ist los mit Jaron?“ konzipiert. Interessierte können sich unter https://www.was-ist-los-mit-jaron.de/ registrieren lassen oder anonym teilnehmen. Es sollen drei bis vier Stunden eingeplant werden, in denen auch Pausen einlegt werden können. Bei registrierten Nutzerinnen und Nutzern wird der Fortschritt gespeichert. Dies ermöglicht Unterbrechungen und mehrmalige Wiederaufnahme des Grundkurses. Registrierte Teilnehmende aus allen Bundesländern erhalten am Ende des Kurses eine vom System generierte Teilnahme-Bescheinigung.
Statistisch gesehen gibt es in jeder Klasse in Deutschland ein bis zwei Schüler:innen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Darum hat der UBSKM seinen Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche einbiszwei genannt.
Die Kampagne „Schieb deine Verantwortung nicht weg!“ gibt sieben konkrete Tipps, die dabei helfen, Kinder besser vor sexueller Gewalt zu schützen.
- Wie kann ich Kindern gut vermitteln, wie wichtig es ist, über den eigenen Körper zu bestimmen?
- Wie kann ich ihnen das Gefühl geben, dass sie immer alles erzählen können?
- Wie kann verhindert werden, dass Täterstrategien bei Kindern verfangen?
In diesem Jahr widmet sich die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) durchgeführte Aufklärungs- und Aktivierungskampagne genau diesen Fragen.
Sexualisierte Gewalt als Unterrichtsthema in der Grundschule
Grundsätzlich zeigt die Erfahrung, dass schulische Sexualerziehung ein wichtiger Präventionsbaustein gegen sexualisierte Gewalt ist. Kinder brauchen nämlich Erwachsene, die mit ihnen über Sexualität sprechen, ihr Interesse an sexuellen Fragen aufgreifen und ihnen eine Sprache dafür geben. Denn kindliche Unwissenheit in diesem Bereich kann von Tätern und Täterinnen leicht ausgenutzt werden. Die Verantwortung für die Sexualerziehung tragen Familie und Schule gemeinsam. Informationen dazu finden Sie auf der Seite für die Grundschule.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Präventionsprojekte, die sich direkt mit dem Thema sexualisierte Gewalt auseinandersetzen, darunter Theater- und Puppentheateraufführungen sowie Wanderausstellungen.
Der Arbeitsbereich Sexualerziehung und Gender vermittelt unterschiedliche Theaterformate für Grundschulen zur Prävention sexualisierter Gewalt:
- „Die geheimnisvolle Kiste“ (Jahrgänge 1 und 2)
- „Geheimsache Igel“ (Jahrgänge 2 und 3)
- „Sascha - Bis hierhin und nicht weiter“ (Jahrgänge 3 und 4),
Auf altersgerechte Weise werden Kinderrechte, Selbstbestimmung und Grenzverletzungen thematisiert. Den Schüler:innen wird ein Erlebnisrahmen geboten, in dem sie sich spielerisch und handlungsorientiert mit den Präventionsprinzipien auseinandersetzen können. Dadurch werden Kinder gestärkt und gewinnen an Selbstvertrauen.
In einer begleitenden Fortbildung, in Beratungsgesprächen für pädagogische Fachkräfte sowie an einem Informationsabend für Eltern werden die Erscheinungsformen und Auswirkungen sexualisierter Gewalt aufgezeigt. Zudem wird erläutert, welche Maßnahmen in der alltäglichen Erziehung präventiv wirken.
Bei Interesse schreiben bitte an eleonora.cucina@li.hamburg.de
Das Projekt „Echt Klasse“ wird in Hamburg gemeinsam von der Beratungsstelle Zündfunke e. V. und dem Landesinstitut betreut. Zu den Kooperationspartnern zählt auch der Weiße Ring. Es handelt sich um eine interaktive Wanderausstellung für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Sie ist als Mitmach-Parcours mit sechs Stationen konzipiert und dient der Prävention sexualisierter Gewalt. Die Ausstellung wurde vom Kieler Präventionsbüro „Petze“ entwickelt und kann von Hamburger Grundschulen gegen eine Gebühr ausgeliehen werden.
Um mit dieser Ausstellung fachlich kompetent arbeiten zu können, müssen Pädagoginnen und Pädagogen eine dreistündige Fortbildung absolvieren und es muss eine Informationsveranstaltung für Eltern stattfinden.
Wenn Sie Interesse haben, die Ausstellung an Ihre Schule zu holen, wenden Sie sich bitte an Zündfunke e. V.
Zartbitter e.V. hat einen Youtube Kanal mit vielen Erklär-Videos zu „Sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen“ für Schülerinnen und Schüler, Eltern und pädagogische Fachkräfte.
Kinderrechte bieten eine Grundlage zum Schutz von Kindern. In der Broschüre des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu diesem Thema geht es unter anderem auch um den Schutz vor sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat zusammen mit Comiczeichnern die Internetseite Hanisauland für Kinder entwickelt. Auf kindgerechte Art – z. B. anhand einer Comicgeschichte, eines Lexikons oder mit Spielen – werden dort Demokratie sowie Informationen zu Kinderrechten oder zum Umgang mit dem Internet vermittelt.
Der frühe Zugang zu Medien erfordert auch Präventionsarbeit in der digitalen Welt. Beim Cybergrooming nutzen Täter und Täterinnen soziale Netzwerke, Chat-Foren oder Online-Spiele, um über diese Kanäle Kontakt zu Kindern aufzunehmen, sie sexuell zu belästigen, zum Bildertausch zu überreden oder sich mit ihnen zu treffen.
Zur Prävention von Cybergrooming in Grundschulen haben die Polizei Hamburg, der Kinderschutzbund und das Internet-ABC ein gemeinsames Projekt in Form einer umfangreichen Unterrichtsreihe mit dem Titel „Flizzy in Gefahr“ erarbeitet. Im Verlauf dieser Reihe begleitet die jeweilige Schulklasse Flizzy, das Eichhörnchen. Es begegnet beim Spielen seltsamen Menschen und merkwürdigen Nachrichten. Die Klasse hilft Flizzy gemeinsam aus der Gefahr und die Schüler:innen lernen verschiedene Schutzstrategien kennen und anzuwenden.
Nützliche Links
Hier finden Sie allgemeine Hinweise, die unabhängig von den Schulstufen sind:
- Informationen zur Entwicklung von Schutzkonzepten an Hamburger Schulen im Bereich sexualisierter Gewalt.
- Die Seite Kinderschutz in Schulen bietet eine Reihe von Informationen, die unter anderem Gesprächshilfen oder den Umgang mit Verdachtsfällen betreffen.
- Das Bundeskinderschutzgesetz wird hier in Kürze erklärt.
- Die digitale Praxisbroschüre Gemeinsam aktiv werden gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend fasst eine Vielzahl praxisorientierter Materialien zusammen – darunter Schulungsmanuale, Workshop-Konzepte, digitale Tools, Evaluationsinstrumente sowie Hinweise zur Gesprächsführung und zur Gestaltung partizipativer Schutzprozesse.