Kurzvorträge und Workshops Deutschtagung 2025
Inhaltsverzeichnis
Digitaler Freitag, 19.09.2025
Parallele Kurzvorträge: Fokus Sekundarstufen (Gym, STS, BS)
2-01 bis 2-06 von 17.00–18.00 Uhr
3-01 bis 3-06 von 18.15–19.15 Uhr
Die Veranstaltungen finden im Hamburger LMS statt. Den Link zum Tagungsraum erhalten Sie (nach Anmeldung) kurz vor der Veranstaltung.
2-01 bis 2-06
2-01 | 3-01 Zum didaktischen Potential aktueller Jugendliteratur für das literarische Lernen
Aktuelle Jugendliteratur ist sehr vielfältig. Das macht sie zu einem geeigneten Lerngegenstand sowohl für ästhetische Bildung und literarisches Lernen als auch für die Leseförderung. Im Vortrag wird ein Zielhorizont für den Literaturunterricht der Sekundarstufe I und II eröffnet, um anschließend das didaktische Potential aktueller Jugendliteratur zum Erreichen der Ziele zu diskutieren. Der Fokus liegt dabei auf innovativer und anspruchsvoller Jugendliteratur.
Prof. Dr. Jochen Heins, Universität Hildesheim
2-02 | 3-02 „Ich hab’s gehasst“ – Lesen, Literatur, Klassismus und Diskriminierungsprävention
Seit dem „PISA-Schock“ ist belegt, dass vor allem Jugendliche mit Armutsrisiko benachteiligt sind, was ggf. mit Sprachhürden (z. B. wenn Deutsch nicht Erstsprache ist) verschränkt sein kann. Neben dem Lesen allgemein ist gerade der Literaturunterricht betroffen, der zugleich abschreckt und Bildung oder kulturelles Kapital verheißt. Vermittelt werden deswegen Theorien und Tipps für Bildungsgerechtigkeit.
Prof. Dr. Cornelius Herz, Leibniz Universität Hannover
2-03 | 3-03 Kognitiv-emotionale Aktivierung im Literaturunterricht
Schülerinnen und Schüler sollen in die literarisch dargestellte Welt subjektiv ‚verstrickt‘ und zugleich zur geistigen Auseinandersetzung mit den Texten motiviert werden. Diese doppelte didaktische Herausforderung verlangt erstens, das Potential zu erkennen, das die Texte für das Nachempfinden und Nachdenken haben, und zweitens, dieses Potentials durch Gesprächsimpulse und Lernaufgaben ‚fruchtbar‘ zu machen. Der Beitrag soll typische Formen der Aktivierung aufzeigen und dabei auch die Aktivierung zur Interaktion berücksichtigen.
Prof. Dr. Thomas Zabka, Universität Hamburg
2-04 | 3-04 Wie entstehen literarisches Verstehen, ästhetisches Erleben und Interesse an Literatur in Gesprächen über Literatur im Deutschunterricht?
Einblicke in die DFG-SEGEL-Studie
Was zeichnet gute Gespräche über Literatur im Deutschunterricht aus? Welche Faktoren wirken sich in Gesprächen positiv auf die Entstehung von literarischem Verstehen, ästhetischem Erleben und Interesse an Literatur aus? Welche Schülerinnen und Schüler profitieren besonders stark von unterschiedlichen Gesprächstypen? Obwohl Gespräche über Literatur ein zentraler Bestandteil des Deutschunterrichts sind, basierten Antworten auf diese Fragen lange Zeit vor allem auf persönlichen Überzeugungen, nicht jedoch auf verlässlichem Wissen. Dies ändert sich derzeit mit der Auswertung der SEGEL-Studie, die die „Bedeutung von Subjektivität und Emotionalität in Gesprächen über Literatur im Deutschunterricht“ (SEGEL) untersucht hat. In dieser Studie standen verbreitete Annahmen über gute Unterrichtsgespräche über Literatur im Fokus.
Im Vortrag wird gezeigt, wie unterschiedliche Gesprächstypen in Kooperation von Fachdidaktiker:innen und Lehrkräften entwickelt, im Deutschunterricht zur Anwendung gebracht und wissenschaftlich untersucht worden sind. Deutlich wird dabei die differenzielle Wirksamkeit unterschiedlicher Gesprächstypen. Darüber hinaus führen praxisnahe Einblicke in die Durchführung von Gesprächen vor Augen, wie Gespräche über Literatur im Deutschunterricht moderiert werden können, um Schüler:innen beim Erreichen funktionaler und personaler Bildungsziele zu unterstützen.
Prof. Dr. Jörn Brüggemann, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
2-05 | 3-05 Digitale Souveränität im Literaturunterricht
Wie digitale Souveränität und literarische Bildung im Literaturunterricht gefördert werden können, soll an multimodalen digitalen Lehr-Lern-Angeboten gezeigt werden, die in einer empirischen Studie mit ca. 1900 Deutschlehrkräften sehr positiv beurteilt wurden. Als literarische Beispiele dienen in der Veranstaltung Kästners „Emil und die Detektive“, Goethes „Faust“ und Tucholskys „Aus!“.
Prof. Dr. Volker Frederking, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
2-06| 3-06 KI und Kafka: Sollten Maschinen beim literarischen Denken mitreden?
Im Beitrag werden die empirischen Forschungsprojekte InterpretGPT, WRAITING und LISKIDs zur KI-gestützten Anschlusskommunikation im Literaturunterricht an der Universität Tübingen vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf ersten Ergebnissen zu Interaktionsmustern von Schüler:innen in verschiedenen Schreibformaten der Sekundarstufe I und II, z. B. beim Interpretieren und beim literarischen Schreiben im Anschluss an die literarische Textrezeption unter Einbindung von Large Language Models. Die Studien können verdeutlichen, vor welchen unterschiedlichen Herausforderungen die Schüler:innen (und damit ihre Lehrkräfte) hier stehen und was das für literarisches Lernen und ästhetische Urteilsfähigkeit unter den Vorzeichen von Künstlicher Intelligenz bedeutet.
Prof. Dr. Carolin Führer, Dr. Daniela Matz, Eberhard Karls Universität Tübingen
Analoger Samstag, 20.09.2025
Parallele Workshops: Fokus Grundschule und Übergang 4–6
5-01 bis 5-05 von 11.30–13.00 Uhr
6-01 bis 6-05 von 14.00–15.30 Uhr
Die Veranstaltungen finden auf dem Campus des LI in der Felix-Dahn-Str. statt.
5-01-5-05
5-01 | 6-01 Literarisches Lernen mit Erstleseliteratur
Erstlesebücher eignen sich aufgrund des Zusammenspiels von Schrift und Bild neben der Ausbildung von Decodier- und Lesekompetenzen auch zur Initiierung literarischer Lernprozesse. Innerhalb des Workshops sollen die gestalterischen Herausstellungsmerkmale und literarischen Potenziale ausgewählter Erstlesebücher ermittelt und kritisch reflektiert werden. Aus diesen Potenzialen werden ferner unterrichtspraktische Anschlusshandlungen abgeleitet und erprobt, die sich an den Zieldimensionen literarischen Lernens orientieren und produktionsorientierte Zugänge eröffnen.
Dr. Anne Krichel, Universität zu Köln
5-02 Bilder(-bücher) von der Flucht: Narratoästhetik und Didaktik
Achtung: Diese Veranstaltung findet nur einmal statt!
Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht – und jeder einzelne hat seinen Grund. Wir wollen uns diesem Thema mit seinen unterschiedlichen Aspekten in einem Workshop widmen, uns literatur- sowie bildwissenschaftlich damit auseinandersetzen, wie Flucht und ihre individuellen Ursachen und Umstände in Bilderbüchern narrato-ästhetisch inszeniert werden. Darauf aufbauend wollen wir didaktische Möglichkeiten eruieren und diskutieren, wie sich Bilderbücher zum Thema im Unterricht einsetzen lassen.
Prof. Dr. Tobias Kurwinkel, Universität Hamburg
6-02 Lesezeit – gut und gerne lesen
Achtung: Diese Veranstaltung findet nur einmal statt!
Es werden ausgewählte Bausteine für die Leseförderung vorgestellt. Dabei geht es gleichermaßen um die Förderung basaler Fähigkeiten wie die Leseflüssigkeit („Gut lesen“) und um die gemeinsame Lesekultur („Gerne lesen“).
Anregungen für die Organisation einer „großen“ Lesezeit (wöchentlich) und einer „kleinen“, häufiger stattfindenden Lesezeit (Leseband) ergänzen die Ausführungen. Neben Impulsen aus der aktuellen Lesedidaktik erhalten die Teilnehmenden u. a. anhand von Filmen konkrete Einblicke in die Umsetzung im Unterricht.
Dr. Beate Leßmann, Universität Hamburg
5-03 | 6-03 Räume der Poesie
In diesem Workshop stehen zeitgenössische Lyriker:innen im Mittelpunkt und die Frage, wie diese mit Grundschulkindern rezipiert werden können. Dabei wollen wir uns mit sinnlich-ästhetischen Zugängen zur Sprache einerseits und mit didaktisch-methodischen Hinführungen andererseits beschäftigen. Ausgewählte Texte werden untersucht, beleuchtet und vor allem erlebt und „begriffen“, um vielfältige Möglichkeiten der Umsetzung im Unterricht zu finden und praktisch zu erproben. Darüber hinaus soll eine Brücke von der Rezeption hin zur Produktion eigener Texte gespannt werden.
Dr. des. Raila Karst, Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt, Halle/Saale
5-04 | 6-04 Literarische Bildung als Nachhaltigkeitsbildung: Unterrichtsideen für die Arbeit mit Bilderbüchern
Nachrichten von Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben können auch bei Kindern im Grundschulalter bereits Zukunftspessimismus und diffus überfordernde Verantwortungsgefühle auslösen. Um dem damit verbundenen Fatalismus Gestaltungskompetenz und Selbstwirksamkeit entgegenzusetzen, bedarf es nicht zuletzt eines Literaturunterrichts, der eine lebenswerte Zukunft als Möglichkeitsraum erfahrbar werden lässt. Im Rahmen des Workshops werden deshalb literarische Welt- und Zukunftsentwürfe in Bilderbüchern erkundet, dazu entstandene Literaturprojekte vorgestellt und eigene didaktische Ideen für einen nachhaltigkeitsorientierten Literaturunterricht entwickelt.
Dr. Elisabeth Hollerweger und Laura Sheng, Universität Bremen
5-05 | 6-05 Märchen als Literatur ernst nehmen. Neues aus der Märchendidaktik
Märchen sind eine sehr lebendige Gattung, die durch ihre Vielfalt ein breites didaktisches Potenzial hat. Im Workshop werden traditionelle Sichtweisen auf Märchen und ihre Didaktik hinterfragt: Welche Rolle sollen die Märcheninhalte spielen und wie kann die Beschaffenheit von Märchen jenseits von Gattungsklischees zum Thema werden? Andererseits sollen methodische Zugänge selbst erprobt werden, um aufzuzeigen, wie Märchen in den Klassen 3–6 bearbeitet werden können: Vorlese- oder Erzählgespräche, die Arbeit mit modernen Märchenadaptionen und Märchenbilderbüchern.
Alina Schröder und Dr. Christoph Jantzen, Universität Hamburg